Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Montag, 27. Mai 2019, Nr. 121
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 13.04.2019, Seite 8 / Inland
Linker Kongress

»Ein offener Raum für Aktive in sozialen Bewegungen«

Vom 19. bis zum 21. April finden in Berlin die »Sozialismustage« statt. Ein Gespräch mit Lucy Redler
Interview: Oliver Rast
Demonstration_gegen_60880283.jpg
Demonstration gegen steigende Mieten und Räumungen im Berliner Stadtteil Kreuzberg (25.2.2017)

Die »Sozialismustage« sind für viele Linke ein fester Termin im Kalender. Wie hoch ist der Kraft- und Zeitaufwand, um den Kongress vorzubereiten?

Viele Mitglieder bereiten ihn ehrenamtlich vor und bewerben ihn. Das unterscheidet uns von vielen professionell vorbereiteten Kongressen, die von einem großen Stab an Hauptamtlichen durchgeführt werden. Das hat eine positive Auswirkung auf die tolle Atmosphäre, weil viele Menschen die Sozialismustage damit zu ihrem Kongress gegen Krieg, Rassismus und Kapitalismus machen.

In der Ankündigung heißt es, die Sozialismustage seien ein offener Kongress zum Erfahrungsaustausch. Überproportional viele Referenten kommen jedoch von der SAV oder stehen der Organisation nahe. Wie verträgt sich das mit linkem Meinungspluralismus?

Die Sozialismustage bieten einen offenen Raum für Aktive in sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, Mitglieder von Die Linke und all jene, die sich die Frage stellen, welche Alternativen es zum Kapitalismus gibt. In den vergangenen beiden Jahren waren jeweils rund 500 Menschen bei den Sozialismustagen, die mehrheitlich nicht Mitglied bei uns sind. Aber natürlich stellen wir dort unsere Ideen zur Diskussion und tauschen uns mit Rednern und Teilnehmern aus anderen Zusammenhängen aus. Ich finde es gut, dass neben prominenten Rednern viele junge Mitglieder der SAV, internationale Aktivisten, Gewerkschafter und Aktive aus sozialen Bewegungen die Veranstaltungen inhaltlich gestalten – und der Kongress nicht ausschließlich von Uniprofessoren bestritten wird.

Was sind in diesem Jahr die thematischen Schwerpunkte?

Die Teilnehmer erwartet viel Internationalismus, weil Kriege, Klimakatastrophe und der Kampf für Arbeiterrechte nicht an nationalen Grenzen Halt machen. Freitag abend geht der Kongress los mit einer Auftaktveranstaltung zu sozialistischen Antworten auf die neoliberale, unsoziale und militaristische EU. Vertreten sind Laura Caldéron aus der spanischen sozialistischen Frauenbewegung, der linke »Brexit«-Befürworter Robert Bechert aus Großbritannien, die Linke-Spitzenkandidatin zur Europawahl Özlem Demirel, der Theaterregisseur Volker Lösch und der SAV-Bundessprecher Sascha Stanicic. Das Plenum am Samstag abend beschäftigt sich mit der Lage in Lateinamerika. Eingeladen ist André Ferrari, Generalsekretär der sozialistischen Organisation LSR aus Brasilien.

Steigende Mieten sind ein weiterer Schwerpunkt. Mit Kristofer Lundberg von der schwedischen Mietergewerkschaft und der Betriebsrätin des Wohnservice Wien, Irene Mötzl, diskutieren wir internationale Beispiele im Kampf gegen den Mietenwahnsinn. Mit Rouzbeh Taheri vom Bündnis »Deutsche Wohnen und Co. enteignen«, der Stuttgarter Mieteraktivistin Ursel Beck und dem Stadtsoziologen Andrej Holm wird es um die Enteignung großer Immobilienkonzerne gehen. Für Mitglieder und Symphathisanten von Die Linke wird es zusätzlich spannend: Wir sprechen mit dem Koparteivorsitzenden Bernd Riexinger über neue Klassenpolitik, dem Berliner Landesgeschäftsführer Sebastian Koch über die Bilanz von »Rot-Rot-Grün« und die Lage der Partei. Was eine sozialistische Migrationspolitik heute bedeuten kann, diskutieren wir auf einer eigenen Veranstaltung. Und es gibt viele Workshops für Menschen, die sich neu für marxistische Theorie interessieren.

Was soll nach dem Kongress-Marathon von über 30 Veranstaltungen bleiben? Wollen Sie aktuelle Kampagnen unterstützen, eigene starten?

Wir wollen Theorie mit »Best Practice« verbinden: im Kampf gegen die AfD, mit der Bewegung in den Krankenhäusern, der Kampagne »Deutsche Wohnen und Co. enteignen«, gegen die drohende Klimakatastrophe. Es geht ganz darum, diese Kampagnen und Bewegungen weiter aufzubauen, aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und der marxistischen Theorie Lehren zu ziehen. Wir entwickeln Werkzeuge, um diese Proteste politisch zu stärken und zu gewinnen. Das ist auch das Hauptthema des Abschlussplenums am Sonntag unter dem schönen Motto »Unteilbare Kämpfe: Gemeinsam können wir gewinnen«.

Lucy Redler ist Bundessprecherin der SAV und Mitglied im Parteivorstand von Die Linke

Debatte

  • Beitrag von Henry F. aus B. (13. April 2019 um 17:57 Uhr)
    Dieses ganze Theater mit Enteignung ist doch so was von Leute verarschen. Auf der einen Seite wird den paar Bestandsmietern, die jetzt in den betreffenden Wohnungen wohnen, vorgegaukelt, dass ihre Mieten dann nicht mehr steigen, auf der anderen Seite stehen die vielen anderen, denen weiter die Mieten erhöht werden. Dazu kein Geld für Neubauten, das wurden ja ausgegeben für die bestehenden Bauten. Das zum einen, zum anderen, solange die Massen weiter die Parteien wählen, die die bestehenden Mietregeln samt Mietspiegel einführten und bis heute nicht ändern, solange ändert sich auch nichts daran, dass die Mieten weiter steigen. Seht Euch doch den vielzitierten Mietspiegel an, der ja, genau betrachtet, ein Mieterhöhungsspiegel ist. Solange die Bestandsmieten hier ignoriert werden und nur Mieten berücksichtigt werden, die neu abgeschlossen oder durch Modernisierung erhöht wurden oder aus anderen Gründen wie z. B. mit Verweis auf den Mietspiegel, solange kann der nur steigen. Und selbst städtische Gesellschaften und Genossenschaften erhöhen mit Verweis auf den Mietspiegel und bei Neuvermietungen sowieso, selbst erlebt. Was soll also dieses Theater? Wenn sich was ändern soll, dann nicht auf diese Weise.

Regio:

Mehr aus: Inland