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Aus: Ausgabe vom 10.04.2019, Seite 8 / Ansichten

Prügelknabe des Tages: Peter Altmaier

Von Simon Zeise
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

Die Wirtschaft schmiert ab. Da braucht das Kapital dringend jemanden, an dem es sich abreagieren kann. Gesucht, gefunden: Der Wirtschaftsminister spielt den Punchingball. Peter Altmaier fleht geradezu danach, Dresche zu beziehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Würstchenliebhaber nicht mit seiner »Industriestrategie 2030« prahlt, Steuern für Konzerne senken will, um »nationale Champions« aufzupäppeln.

Am Dienstag wurden Altmaier die Leviten gelesen. Er müsse »entschieden mehr tun, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken«, schimpfte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie. »Die Ungeduld der Unternehmen wächst von Tag zu Tag.« Das saß. Doch dabei blieb es nicht. Kempf hielt Altmaier im Schwitzkasten und Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands der Familienunternehmen, setzte dem Minister zu: Die Teilnahme an der 70-Jahr-Feier seines Verbandes könne Altmaier sich abschminken. Der Geburtstag werde als »Demonstration gegen diese Strategie des Wirtschaftsministers« zelebriert, so Eben-Worlée. Schließlich betrat der größte Rowdie den Schulhof: »Der Bundeswirtschaftsminister hat kein Konzept – weder für die Energiewende noch für die Wirtschaft insgesamt«, mobbte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander los.

Zum Schluss stolzierte der Streber um die Ecke. FDP-Chef Christian Lindner äffte: »Wenn sich die Familienbetriebe als Rückgrat unseres Landes nicht vertreten fühlen, ist die Vertrauenskrise geradezu ein Konjunkturrisiko.« Lindner stiftete seine Bundestagsfraktion zu effizienten Lösungen an: Altmaier solle »den Weltraum für die deutsche Wirtschaft erschließen«. In Erdnähe befänden sich »etwa 17.000 Asteroiden, die für den Weltraumbergbau in Zukunft erreichbar wären«. Das war zu viel. Dann lieber verhauen lassen.

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