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Aus: Ausgabe vom 02.04.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Ein Stückchen Geschichte

Auf dem Sprung nach oben: Inka Grings übernimmt den Regionalligisten SV Straelen
Von Jens Walter
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Sie kennt nur eine Richtung: Exrekordstürmerin Inka Grings will als Trainerin in höhere Gefilde

An der Spitze stand Inka Grings schon als Spielerin gerne. Mit über 300 Treffern ist die frühere Weltklassestürmerin die Rekordtorschützin der Frauen-Bundesliga. Nun sorgt die ehrgeizige 40jährige auch als Trainerin für ein Novum: Als erste Frau übernimmt die Fußballehrerin bei einem Männerverein aus den obersten vier Ligen das Kommando. Die 96malige Nationalspielerin und zweimalige Europameisterin soll den Aufsteiger SV Straelen als Doppelspitze mit Thomas Drotboom vor dem Abstieg aus der Regionalliga West bewahren. Nach Informationen des Sportinformationsdienstes sollte Grings am Montag abend (nach Redaktionsschluss) offiziell vorgestellt werden und anschließend ihr erstes Training leiten. Wenige Monate nach Imke Wübbenhorst beim Fünftligisten BV Cloppenburg sorgt die nächste Pionierin für Schlagzeilen. »Ich habe mit Martina als Trainerin hier gute Erfahrungen gemacht«, sagte Klubmäzen Hermann Tecklenburg, Ehemann von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, dem Kicker: »Sie hat unheimlich viele Dinge gesehen und in den Pausen angesprochen, die mir so gar nicht aufgefallen waren. Daher wird das auch mit Inka gut klappen.«

»MVT«, einst Lebensgefährtin von Grings, hält große Stücke auf eine »ihrer besten Freundinnen«. Auf die Frage, wann erstmals eine Trainerin den Durchbruch in die Männer-Bundesliga schaffe, antwortete die Bundestrainerin jüngst der WAZ: »Ich würde diesen Job Inka Grings zutrauen, vielleicht erst einmal über eine Station in der Regionalliga.« Für diese Station nutzte Grings den Nachwuchsbereich als Sprungbrett. Bei Viktoria Köln trainierte die gebürtige Düsseldorferin bis zum vergangenen Sommer die U-17-Junioren. Zuvor hatte sie ihren Exklub MSV Duisburg in der Frauen-Bundesliga betreut. Doch die dreimalige Fußballerin des Jahres strebt die Herausforderung im Männerbereich an. »Das Tempo, der andere Umgang, mehr erreichen zu können – das ist das, wonach ich strebe«, sagte Grings bereits 2017 und betonte: »Natürlich will ich auch ein Stück weit Geschichte schreiben.«

Das tut sie nun zunächst am Niederrhein. Nach dem 0:0 des SVS am Samstag beim SV Lippstadt 08 unter Leitung des Sportlichen Leiters Stephan Houben liegt ihr neuer Klub nur sechs Punkte vor Platz 15. Der Abwärtstrend hatte Vorgänger Marcus John am Donnerstag den Job gekostet.

Wie schnellebig das Geschäft mitunter ist, hat Wübbenhorst bereits erfahren. Das vielbeachtete Engagement der 30jährigen beim Oberligisten in Cloppenburg endet im Sommer. Von sportlichen Gründen war nicht die Rede. Der Vorstandsvorsitzende des BV, Jürgen Vortmann, sagte, man brauche »Planungssicherheit«. Womöglich, weil sich Wübbenhorst für den Fußballehrerlehrgang beworben hat, vielleicht aber auch, weil sie intern die schwierigen Arbeits- und Trainingsbedingungen kritisierte hatte. Erst vor Weihnachten war die frühere Bundesligaspielerin zur neuen Cheftrainerin des finanziell angeschlagenen Vereins berufen worden. Als erste Frau übernahm sie ein Traineramt im leistungsbezogenen Männerfußball und holte in vier Spielen zwei Remis. Ihr Engagement erregte immenses Medieninte­resse. Das dürfte am Samstag (14 Uhr) ganz ähnlich sein. Dann nämlich gibt Grings in Straelen ihr Debüt an der Seitenlinie, wenn der Tabellenachte SC Verl an der niederländischen Grenze zu Gast ist.

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