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Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Rechter Terror

Islamischer Frauenrat Neuseelands: Wir klopften an jede Tür, wir sprachen auf jedem Forum

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Beisetzung der Opfer des Attentats: Hinterbliebene suchten am Freitag in Christchurch nach Trost

Die Sprecherin des Islamischen Frauenrats in Neuseeland (IWCNZ), Anjum Rahman, veröffentlichte zwei Tage nach dem Attentat in Christchurch auf dem Onlineportal des Rundfunksenders Radio New Zealand eine Chronik ihrer Bemühungen, von der Regierung Hilfe gegen die wachsende faschistische Bedrohung zu erhalten. Hier der Text in Auszügen:

Im Oktober 2016 trafen wir Vertreter des neuseeländischen Geheimdienstes SIS und stellten die Probleme dar, mit denen wir als Gemeinschaft konfrontiert waren, und die Hilfe, die wir brauchten.

Im Januar 2017 trafen wir uns mit dem Ministerpräsidenten und erläuterten unsere Bedenken. Im März 2017 wurde ein ganztägiges Treffen mit der Regierung organisiert. Der IWCNZ beschrieb die Auswirkungen der Diskriminierung auf unsere Gemeinschaft und was wir von der Regierung benötigten. Wir waren uns über die Dringlichkeit der Angelegenheit völlig im klaren. Wir haben ihnen von unseren Bedenken über die zunehmend giftige Atmosphäre und das Erstarken der extremen Rechten in Neuseeland berichtet.

Wir fragten sie, welche Ressourcen für die Überwachung von Alt-Right-Gruppen bereitgestellt würden, was wir zuvor auch vom SIS hatten wissen wollen. Ich kann nicht einmal die Spannung und den Stress erklären, den wir durchlebt haben. Von seiten der Regierung gab es Streitigkeiten darüber, wer an diesem Treffen teilnehmen würde.

Im August 2017 trafen wir uns mit dem Department of Internal Affairs (DIA) in Hamilton. Wieder erklärten wir, wie dringend dies war, wie erschöpft wir waren, welche Maßnahmen von der Regierung erforderlich waren. Wir haben uns in den nächsten Monaten mit dem DIA und dem OEC zusammengetan und so hart wie möglich für das, was wir brauchten, gekämpft, aber nichts passierte.

Im Januar 2018 trafen wir uns erneut mit dem DIA, dem OEC und zwei Ministern der neuen Labour-Regierung. Wieder sprachen wir über die Auswirkungen der Diskriminierung, den Aufstieg der neofaschistischen Alt-Right-Bewegung und die zunehmende Hetze, der wir uns online und persönlich gegenüber sahen. Es war das gleiche Material, und wir haben es immer wieder wiederholt.

Wir haben keine nennenswerten Mittel erhalten.

Am Samstag nach dem Attentat hat die Vorsitzende des Islamischen Frauenrates, Maysoon Salamah, ihren Sohn nach stundenlangen Operationen verloren. Er wurde zweimal angeschossen.

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