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Aus: Ausgabe vom 22.03.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Zwischen den Linien

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»Anderes Gesicht zeigen«: Marco Reus am Ball

Wolfsburg. Wer dachte, die Auswahl der Herren des Deutschen Fußballbunds (DFB) hätte die Tage martialischer Spielführer hinter sich, musste sich am Mittwoch eines Besseren belehren lassen. »Das war zuwenig, wir sind immer noch Deutschland!« polterte Marco Reus nach dem 1:1 (0:1)-Stotterstart der Nationalelf ins neue Länderspieljahr. Es bräuchte eine »bessere Körpersprache« als beim Remis gegen Serbien, ließ der Dortmunder Kapitän noch wissen. Beim Auftakt in der EM-Qualifikation am Sonntag abend gegen die Niederlande müsse man »einen Zahn zulegen, ein anderes Gesicht zeigen« und so weiter.

Gegen Serbien wurde Reus zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Die DFB-Auswahl lag seit der 12. Minute zurück. Luka Jovic (Eintracht Frankfurt) hatte per Kopf sein erstes Länderspieltor erzielt. Reus war nach dem Wiederanpfiff immer anspielbar, er verteilte hinter den Spitzen geschickt die Bälle und glänzte als Vorbereiter für Torschütze Leon Goretzka (69.). »Für unsere Offensive ist er ein außergewöhnlicher Spieler, der besondere Fähigkeiten mitbringt«, schwärmte Goretzka: »Marco ist jemand, der sich zwischen den Verteidigungslinien extrem wohlfühlt.«

Vor dem Wiedersehen mit dem Erzrivalen Oranje ist Reus gleichwohl etwas bange. Recht frisch sind die Erinnerungen an das demütigende 0:3 im Oktober in der Amsterdam-Arena und das 2:2 im November auf Schalke, das den Abstieg in der Nations League besiegelte. »Wir stellen uns nicht hin und sagen, wir sind klarer Favorit«, schlug Reus leisere Töne an. Ersatzkapitän Ilkay Gündogan sah das ähnlich: »Sind wir besser als die Holländer, sind wir es nicht?« fragte der ManCity-Star rhetorisch: »Ein Unentschieden wäre erst mal nicht so schlecht.«

Eine krachende Niederlage gegen den größten Kontrahenten in der Gruppe C – die anderen sind Belarus, Nordirland und Estland – könnte die nach der Ausmusterung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng merklich angespannte Grundstimmung endgültig kippen lassen. Die Pfiffe, mit denen das Publikum in Wolfsburg die DFB-Elf in die Halbzeit verabschiedete, verdeutlichten unüberhörbar die Ungeduld der Fans nach dem WM-Desaster von Russland und der Nations-League-Pleite.(sid/dpa/jW)

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