Gegründet 1947 Donnerstag, 25. April 2019, Nr. 96
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 22.03.2019, Seite 10 / Feuilleton
Leipziger Buchmesse

Neue Ansprache, alte Probleme: Buchmesse eröffnet

Leipziger_Buchmesse_60718226.jpg
Sogenanntes Massenevent: Besucherandrang am Donnerstag

Leipzig. Es wurde gedrängelt und nach Luft geschnappt, dass es den Freunden sogenannter Massenevents ein Fest war: Unter großem Andrang hat die Leipziger Buchmesse am Donnerstag ihre Türen geöffnet. Bis Sonntag erwarten 2.547 Aussteller aus 46 Ländern an die 300.000 Besucher. Was im Trubel leicht in Vergessenheit geriet, hatte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, am Vorabend bei einem Festakt im Gewandhaus unterstrichen: »Wir haben ein Riesenproblem in der Branche«, die Zahl der Buchkäufer sinke seit Jahren (siehe Seiten 12/13).

Abhilfe versprächen neue Ladenkonzepte führender Buchhändler, meinte Skipis. Über »soziale Medien« versuchten die Platzhirsche, »den Kunden mit neuer Ansprache gerecht« zu werden. Dass es dem Börsenverein so zentral um »Kontakte auch jenseits von Buchhandlungen« (Skipis) zu tun ist, lässt für diese nichts Gutes ahnen. Sie könnten schon bald einer verschärften Monopolisierung zum Opfer fallen. Als eine Art Brandbeschleuniger könnte die Insolvenz des Buchgrossisten KNV wirken. Der ermöglicht den kleinen Buchläden hierzulande mit zwei weiteren Zwischenhändlern bislang, ein Buch zum nächsten Werktag zu bestellen – ein Plus im Wettbewerb mit Onlinehändlern. Erkannt hat das die Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in Verdi), Lena Falkenhagen. »Der Handel mit dem Kulturgut Buch darf nicht in den Händen einiger weniger großer Unternehmen liegen«, erklärte sie zum Messeauftakt. »Wir fordern von der Politik eine Art Rettungsschirm für den lokalen Buchhandel.«

Noch werde der Grossist KNV weiter von Verlagen beliefert, sagte Insolvenzverwalter Tobias Wahl am Dienstag: »Ich habe selten so eine Verbundenheit und Treue sowie Solidarität einer Branche gesehen, wie sie im Buchmarkt der KNV-Gruppe entgegengebracht wurde.« Wahl geht davon aus, einen Investor für den Großhändler finden zu können – der Optimismus ist Teil seines Jobs. Bis Ende April will der Rechtsanwalt ein Gutachten beim Amtsgericht einreichen. Solange seien die Löhne der rund 1.800 Beschäftigten durch das Insolvenzgeld gesichert. Voraussichtlich am 1. Mai werde dann das Insolvenzverfahren eröffnet.

Zur Präsenz rechter Verlage auf der Messe wurde am Mittwoch ein offener Brief von Studentinnen und Studenten des Leipziger Literaturinstituts an die Stadt übergeben, der in der Sache erfreulich klar ist: Jahr für Jahr reagiere die Messeleitung auf Forderungen, »rechtsextreme Verlage und Publikationsorgane« auszuschließen, »mit dem Verweis auf ihre rechtliche Pflicht, einen Ort zum Diskurs unter gleichberechtigten Gesprächspartner*innen zu etablieren. Ein solcher hat sich in den vergangenen Jahren nie hergestellt«. Statt dessen habe die Leitung eine Normalisierung rechter Positionen in der Gesellschaft mitzuverantworten. Ein Ausschluss sei jederzeit durchsetzbar – »Sofern ein politischer Wille besteht.« Der Brief kann unter fixpoetry. com noch unterschrieben werden. (jW)

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton