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Über die Bankenfusion

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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Diese Fusion, wenn sie denn kommt, war lange angekündigt. Nach meiner Erinnerung hat Finanzminister Olaf Scholz zum ersten Mal im August vorigen Jahres über den Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank geredet. Ein gewisser Lucas Zeise hat vor drei Monaten die Zusammenlegung der beiden verbliebenen privaten deutschen Großbanken als »Quatschidee« bezeichnet.

Es ist mir peinlich, wenn in diesen Tagen, da die Angelegenheit offiziell betrieben wird, alle möglichen und auch ganz schreckliche »Experten« ebenso vor der Fusion warnen. Zum Beispiel der Sachverständigenrat, in Gestalt seiner beiden Leuchten Isabel Schnabel und Lars Feld. Sie verweisen laut Deutschlandfunk darauf, dass »der Zusammenschluss eine Bank schaffen würde, die so groß wäre, dass sie im Fall einer Schieflage vom Staat gerettet werden müsste«. So so, die Commerzbank oder die Deutsche Bank allein würde unser Staat also pleite gehen lassen? Niemals. Einleuchtender scheint es mir, wenn Industriekapitalisten sagen, sie hätten es lieber, wenn sie es mit zwei konkurrierenden deutschen Banken zu tun hätten als nur mit einer. Allerdings fehlt es formal an Konkurrenz nicht. Es gibt die Landesbanken (der Sparkassen) und die DZ Bank (der genossenschaftlichen Institute). Sie sind groß genug, um auch Großkonzernen nette Finanzpakete anzubieten. Auch sollen, so hört man bisweilen, im Binnenmarkt der EU und sogar in Deutschland auch nichtdeutsche Kreditinstitute tätig sein, die als Konkurrenz der künftigen DeuCoBank satisfaktionsfähig sind.

Eher leuchtet der Hinweis ein, dass die Anstrengungen der Commerzbank, Privatkunden zu gewinnen, die Deutsche Bank stören, die Fusion der beiden also im Umkehrschluss für die Privatkunden schlecht wäre – in Gestalt von Gebührenerhöhung, mieseren Kreditkonditionen und der Ausdünnung des Filialnetzes. Letzteres ist vor allem für die Beschäftigten der beiden Banken ein Grund, den Zusammenschluss zu bekämpfen. Sie haben mit Sicherheit nichts davon, wenn das Filialnetz weiter ausgedünnt wird, zumal der Abbau des Dresdner-Bank-Netzes durch die Commerzbank und des Postbanknetzes durch die Deutsche noch nicht beendet ist.

Sicher wird im aktuellen Kapitalismus zu viel Banking getrieben. Das betrifft das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung. Die Schrumpfung beider Bereiche bei der Deutschen Bank in den letzten acht Jahren war kein Unglück, sondern ein Segen. Herrn Scholz’ Vorhaben, durch die Fusion einen »nationalen Champion« zu schaffen, hieße, das Unglück wiederherzustellen. Der Nachteil, den das deutsche Finanzkapital heute aufweist, nämlich über keine international potente Großbank zu verfügen, ist in Wirklichkeit keiner. Er hindert vielmehr Deutschland, den Imperialisten der zweiten Reihe, ein wenig daran, sich zu übernehmen. Besser wäre es, das Geschäft der Banken enger zu regulieren, damit sie im Geschäft mit Klein-, Mittel- und Großkunden mäßige, aber auch in schlechten Zeiten einigermaßen stabile Renditen einfahren.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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