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Aus: Ausgabe vom 18.03.2019, Seite 15 / Politisches Buch
Marxismus und Ökologie

Marxismus und das Verhältnis von Mensch und Natur

Von Arnold Schölzel
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Gestörter Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur: Klimaprotest vor dem Reichstagsgebäude in Berlin (15.3.2019)

Dem Schwerpunkt »Marxismus und Ökologie« des neuen Heftes der Zweimonatszeitschrift Marxistische Blätter sind wie stets mehrere Beiträge vorangestellt. Darunter sind u. a. ein Gastkommentar von Sevim Dagdelen, in dem sie begründet, warum sie vom »Aachener Aufrüstungsvertrag« zwischen Frankreich und Deutschland spricht. Vijay Prashad zählt »Zwölf Schritte zur Herbeiführung eines ›Regime-Change‹«, mit denen es die USA immer wieder versuchen – gegenwärtig in Venezuela. Hans Schoenefeldt fragt nach der Kündigung des INF-Vertrages »Atomares Schlachtfeld Europa?«, und Klaus Hartmann analysiert die NATO-Aggression gegen Jugoslawien vor 20 Jahren als »Türöffner«-Krieg. Der Vorsitzende der Belgischen Partei der Arbeit (PTB) Peter Mertens erläutert in einem Interview, dass die jüngsten Wahlerfolge seiner Partei vor allem mit der Hinwendung zur sozialen Frage und dem Kampf gegen rechte Parolen über Flüchtlinge, Migration oder Sicherheit zu tun haben: »Wählst du die rassistische Lösung und trittst nach unten – oder wählst du die antikapitalistische Lösung und trittst nach oben?« Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, legt dar, warum seine Partei an der EU-Wahl teilnimmt.

Im Editorial zum Schwerpunkt verweist die Redaktion darauf, dass 1972 das erste Heft der Marxistischen Blätter zum Thema Ökologie erschien. Heute ist mehr darüber bekannt, wie intensiv sich Marx und Engels mit dem Verhältnis von Mensch und Natur befasst haben. Zugleich sind die Gefahren durch Ressourcenverbrauch, Verschmutzung und Treibhausgase ungleich größer als damals. Helmut Selinger untersucht vor diesem Hintergrund das ökologische Denken bei Marx, insbesondere sein steigendes Interesse »an der kapitalistischen Störung des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur«. Nina Hager äußert sich zum Naturbegriff und macht darauf aufmerksam: »Weder die innere noch die äußere Natur des Menschen sind gleichbleibende Größen«. Annette Schlemm greift angesichts des Klimawandels die Forderung des »Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen« nach einer »großen Transformation« auf: Die Menschheit müsse »neue Formen des Lebens und Wirtschaftens erfinden«. Tina Sanders äußert sich zum »ökologischen Irrsinn« der Elbvertiefung, Franz Garnreiter kritisiert Vorstellungen von einem »Grünen Kapitalismus«. Christian Stache wendet sich gegen das von Teilen der Partei Die Linke und der Rosa-Luxemburg-Stiftung vertretene Konzept einer »neuen Klassenpolitik«. Es handele sich um eine Hinwendung zu Kulturkritik, Lebensweisen und antiautoritären Kämpfen, was für eine »inhaltlich-strategische Ausrichtung revolutionärer Realpolitik« unzureichend sei.

Als Beilage: Ein Vortrag, den der Romanist Hans-Otto Dill über »Alexander von Humboldt – früher Ökologe, Europa-Kritiker und Antirassist« am 26. Januar in Wuppertal vor der Jahresversammlung der Marx-Engels-Stiftung hielt.

Marxistische Blätter, Heft 2/2019, 132 Seiten, 9,50 Euro (Jahresabo 48 Euro). Bezug: Marxistische Blätter, Hoffnungstr. 18, 45127 Essen, Tel.: 0201/236757, E-Mail: redaktion@marxistische-blaetter.de

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