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Aus: Ausgabe vom 16.03.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: »Philosoph« in der Wüste

Peschmerga | Arte-Mediathek
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Peschmerga feuern Granaten gegen IS-Truppen in Nawaran in der Nähe von Mossul (23.10.2016)

Die Kolonne kommt nur schleppend voran. Alle 50 Meter müssen die Peschmerga auf ihrem Weg durch die Wüste anhalten und nach Minen Ausschau halten. Plötzlich fährt einer der Geländewagen ohne ersichtlichen Grund los. Ala Hoshyar Tayyeb hängt mit laufender Kamera an der Seite. Der Wagen fährt auf eine Mine. Der Fahrer ist tot, Ala schwer verletzt. Mit einem Filmteam an seiner Seite folgte der französische Publizist Bernard-Henri Lévy von Juli bis Dezember 2015 der tausend Kilometer langen Frontlinie zwischen der Autonomen Region Kurdistan und den IS-Truppen. Auf den Straßen und in den Schützengräben versuchen sie, den erbitterten Kampf der Kurden zu verstehen. Dabei wirkt »Peschmerga« so nah und ehrlich, eingepfercht zwischen Leben und Tod, Freiheit und Unterdrückung, dass man vergessen könnte, dass ein Schaumschläger, wie Lévy dahintersteckt. In seinem glattgebügelten Designeranzug erscheint der französische »Philosoph« und Multimillionär nur wenige Male und macht die Betrachtung des Dokumentarfilms damit erträglich. (efa)

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