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Aus: Ausgabe vom 15.03.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kühne Prognosen

Keine Rezessionsgefahr

BRD-Wirtschaftsforscher: Aktuell Wachstumsprobleme. 2020 aber wird alles gut
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Nebel über Hamburg, aber nicht über der deutschen Konjunktur: Führende Ökonomen verbreiten Optimismus

Die konjunkturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft in den beiden letzten Quartalen 2018 war nur eine Art Durchhänger. Auch der schwache Jahresauftakt 2019 sollte kein Anlass zur Panik sein. Führende Ökonomen des Landes sind sich einig, dass die BRD-Konjunktur 2020 wieder durchstarten wird, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in einer Zusammenfassung berichtete.

So erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung München (Ifo) für 2019 beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur ein mageres Plus von 0,6 Prozent, wie es am Donnerstag mitteilte. Hingegen rechnen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) wie auch die Bundesregierung mit einem Zuwachs von immerhin einem Prozent.

»Die Konjunktur in Deutschland kühlt sich ab, aber das ist kein Weltuntergang«, zitiert Reuters DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Sowohl die Münchner als auch die Berliner Forscher sind zuversichtlich, dass die Durststrecke 2020 überwunden ist.

Die binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte seien »weiterhin intakt«, so Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. In diesem Jahr dürften demnach kräftige Lohnsteigerungen, eine niedrige Inflationsrate und Steuer- und Abgabenentlastungen für ein »dickes Plus« bei den Realeinkommen der Haushalte sorgen. Das Institut erhöhte seine BIP-Prognose für 2020 von 1,6 auf 1,8 Prozent. Auch das DIW rechnet damit, dass die Wirtschaft nächstes Jahr in exakt diesem Umfang zulegen wird.

»Die gegenwärtigen Produktionsschwierigkeiten der deutschen Industrie dürften erst allmählich überwunden werden. Die Industrie wird 2019 als Konjunkturmotor weitgehend ausfallen«, so Wollmershäuser weiter. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Waren sei schwach, da die internationale Konjunktur weiter an Dynamik verliere. Laut seinem DIW-Kollegen Claus Michelsen zeichne sich aber ab der zweiten Jahreshälfte eine Besserung ab, da beispielsweise Deutschlands wichtigster Handelspartner China mit milliardenschweren Programmen gegenhalte. »Das Auslandsgeschäft wird sich daher wieder beleben.« Allerdings blieben große Risiken wie etwa ein möglicher Handelskrieg zwischen der EU und den USA.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung lag da im Trend: »Klar ist, dass der längste wirtschaftliche Aufschwung im vereinigten Deutschland angesichts von ›Brexit‹, Trump und schwächerer Konjunktur in China erheblichen außenwirtschaftlichen Gegenwind bekommt. Das bremst ihn natürlich«, sagte Institutschef Gustav Horn. Doch auch wenn die Entwicklung zu Jahresbeginn 2019 weiter schwach war, droht der deutschen Wirtschaft laut Horn keine Schrumpfkur: »Die aktuelle Datenlage deutet nicht akut auf eine Rezession hin.« (Reuters/jW)

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