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Aus: Ausgabe vom 15.03.2019, Seite 1 / Inland
Prekäre Arbeit

Pflegekrise und kein Ende

Branchenvertreter warnen vor Verschlimmerung des Notstands. Höhere Standards gefordert
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Knochenjob: Ein Drittel der Pflegebeschäftigten denkt darüber nach, den Beruf aufzugeben

Die Gewerkschaft Verdi fordert von der Bundesregierung verbindliche Personalschlüssel für Altenpflege und Krankenhäuser. »Viele Pflegerinnen und Pfleger flüchten heute geradezu aus dem Beruf, obwohl sie ihn eigentlich lieben. Das muss anders werden«, sagte Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler dem Handelsblatt vom Donnerstag vor Beginn des Deutschen Pflegetags in Berlin.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, warnte vor einem Scheitern der Gespräche zwischen Kassen und Heimbetreibern über einen neuen Pflege-TÜV. Seit vergangenem Herbst liegen den Heimbetreibern und Krankenkassen Empfehlungen von Wissenschaftlern für einen neuen Pflege-TÜV vor. Die Situation in den Einrichtungen soll erstmals realistisch erfasst und für alle verständlich dargestellt werden. Abgelöst werden sollen die Pflegenoten, die durch die Bank so positiv ausfallen, dass kaum Vergleiche möglich sind. »Qualitätsdefizite müssen sichtbar gemacht werden. Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wieviele Pflegefachkräfte im Alltag für die Versorgung zur Verfügung stehen«, sagte Westerfellhaus der Funke-Mediengruppe am Donnerstag. Zugleich kritisierte er Unternehmer der Pflegebranche. Besonders in Ostdeutschland bekämen diese oft keine Vollzeitverträge, weil die Heimbetreiber ihre Dienstpläne lieber mit Teilzeitkräften gestalten wollten. So gewännen Betreiber keinen Wettbewerb um Fachkräfte, mahnte Westerfellhaus.

Der Präsident des Deutschen Pflegerates, Franz Wagner, warnte auf dem Deutschen Pflegetag vor einer Verschärfung der Krise in der Pflegebranche. Schon derzeit dauere es fünf Monate, um eine freie Stelle in der Pflege zu besetzen. »Wir sind noch nicht am Tiefpunkt angelangt«, warnte er. Ein Drittel der Pflegekräfte überlege, aus dem Beruf auszusteigen. Innerhalb der kommenden 15 Jahre erreiche zudem ein Drittel der Betroffenen das Rentenalter. Nötig seien bessere Bezahlung, Dienstpläne im Sinne der Beschäftigten sowie eine Zielvorgabe für die Weiterentwicklung des Heilberufes Pflege über die nächsten Jahre hinaus. (dpa/jW)

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