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Aus: Ausgabe vom 12.03.2019, Seite 11 / Feuilleton
Comic

Weltgeist und Vampire

Alles auf Anfang: Die TV-Serie »Buffy – Im Bann der Dämonen« wird als Comic neu interpretiert
Von Michael Streitberg
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Sarah Michele Geller, Star der Serie »Buffy – Im Bann der Dämonen« (Dezember 2018)

Bereits vor 16 Jahren wurde die letzte TV-Folge von »Buffy – Im Bann der Dämonen« ausgestrahlt. 144 Folgen lang hatte die junge Protagonistin Buffy Summers an der Seite ihrer Mitstreiter gegen Vampire, Dämonen und die drohende Apokalypse gekämpft. Doch die Serie war mehr als das: Als eine Art Weltgeistseismograph widmete sich das auch feministisch geprägte Werk nicht nur Geschlechterverhältnissen und Identitätskonflikten. Ebenso unterhaltsam wie intelligent wurden etwa auch die Frage nach der Determiniertheit bzw. Offenheit geschichtlicher Prozesse oder die politische Ökonomie eines Geschäfts für Zauberbedarf verhandelt.

Von einem wirklichen Ende konnte 2003 keine Rede sein. Die Geschichte wurde, unter der Aufsicht ihres Schöpfers Joss Whedon, als Comic weitergeführt. Nach sieben TV- sowie sechs Comicstaffeln im Verlag Dark Horse wurde sie im vergangenen Jahr abgeschlossen. Mittlerweile ist jedoch nicht nur eine neue TV-Serie angekündigt: Nachdem der Verlag »Boom! Studios« die Lizenz für Buffy-Comics erworben hatte, versucht man sich dort nun an einer Art Nacherzählung von Anfang an. Der Beginn der Handlung wurde dafür allerdings vom Jahr 1997 in die Gegenwart verlegt. Das Konzept, das Züge von Fanfiction trägt, funktioniert in den bis jetzt vorliegenden zwei US-amerikanischen Heftausgaben überraschend gut. Anstatt den Protagonisten einfach nur Smartphones in die Hand zu drücken, bemüht man sich tatsächlich um einen Transfer: So weiß etwa Buffys Schulfreundin Willow in der Neuauflage schon von Beginn an, dass sie Frauen liebt. Dem Internet und seinen angeblichen kommunikativen Potentialen sei Dank, erklären die Herausgeber auf den Leserbriefseiten.

Zeichnerisch kann das Werk überzeugen. Liebgewonnene Charaktere wurden ebenso gut getroffen wie die bekannten und neuen Schauplätze der Handlung. Wenn der Lichtkegel einer Lampe das Dunkel der Schulbibliothek durchbricht oder bunte Luftballons durch einen Dämmerwald schweben, nähert sich der Comic der atmosphärischen Dichte seiner Vorlage an. Auch auf narrativer und bildkompositorischer Ebene funktioniert er einwandfrei. Unnötig erscheinen mitunter die inneren Monologe der Protagonisten: Angesichts ihrer erzählerischen Fähigkeiten hätte Autorin Jordie Bellaire einiges, was sie wörtlich vorsagen lässt, schlicht im Handlungsverlauf offenbaren können. Dennoch: Die Neuauflage ist ein Lesevergnügen – auch weil sie, bei aller Verbundenheit zur Vorlage, manches neu und anders macht.

Jordie Bellaire/Dan Mora (u. a.).: Buffy the Vampire Slayer. Boom! Studios, Los Angeles 2019. Bislang zwei Heftausgaben in englischer Sprache. Heft 3 ab 13. März. Jeweils ca. 29 Seiten. 3,99 Dollar (ca. 3,50 Euro). Erhältlich in gut sortierten Comicläden. Bislang keine deutsche Fassung angekündigt.

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