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Aus: Ausgabe vom 08.03.2019, Seite 6 / Ausland
Afghanistan-Gespräche

Abzugstermin bleibt unklar

US-Regierung führt intensive Verhandlungen mit Taliban. Es geht um Details
Von Knut Mellenthin
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US-Außenminister Michael Pompeo bei einem Besuch in Kabul im Juli 2018

Widersprüchlicher können Signale kaum sein: Am Montag bezeichnete US-Außenminister Michael Pompeo die Taliban als »Terroristen« – und äußerte zugleich die Hoffnung, sich mit ihren Vertretern in wenigen Wochen in Doha treffen zu können. Dort, in der Hauptstadt des Fürstentums Katar, findet seit dem 25. Februar die fünfte Verhandlungsrunde zwischen den afghanischen Aufständischen und der US-Administration statt.

Offensichtlich handelt es sich dabei nicht um eine Showveranstaltung, sondern tatsächlich um einen intensiven und harten, in alle wesentlichen Details gehenden Arbeitsprozess. Die US-Delegation wird von dem erfahrenen Diplomaten Zalmay Khalilzad geleitet. Der heute 67jährige ist afghanischer Abstammung. Seit 1984 ist er auf häufig wechselnden Posten für die US-Administration oder regierungsnahe Institutionen tätig. Unter anderem war er 1985 bis 1989 Berater von Präsident Ronald Reagan für die Unterstützung der Mudschaheddin und 2003 bis 2005 Botschafter in Afghanistan. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre setzte sich Khalilzad für die Zusammenarbeit mit den Taliban ein und hatte damals vielleicht auch direkten Kontakt zu ihnen, als er Berater der Firma Unocal war, die eine Gaspipeline durch Afghanistan bauen wollte.

Auf afghanischer Seite steht ihm zum ersten Mal Abdul Ghani Baradar gegenüber. Er gehörte zu den vier Gründern der Organisation im Jahre 1994 und ist einer der Stellvertreter von Taliban-Chef Haibatullah Achundsada. Der heute etwa 50jährige hatte seit der Militärintervention der USA 2001 im pakistanischen Exil gelebt und war im Februar 2010 vom dortigen Geheimdienst in Zusammenarbeit mit der CIA festgenommen worden. Erst am 24. Oktober 2018 wurde er auf ausdrücklichen Wunsch der US-Regierung aus der Haft entlassen. Bis zu seinem Auftritt in Katar hatte er aber Pakistan nicht verlassen. Das nährte Zweifel, ob er sich wirklich in Freiheit befindet. Mullah Baradar ist seit vielen Jahren als Befürworter einer diplomatischen Konfliktlösung bekannt. Manche Kommentatoren meinen sogar, dass darin der Grund für seine lange Inhaftierung gelegen habe.

Nach der letzten Verhandlungsrunde im Januar hatten beide Seiten mitgeteilt, dass es erstmals »bedeutende Fortschritte in wesentlichen Fragen« gebe, aber andererseits noch viel Arbeit zu tun bleibe. Angeblich wurden damals schon Grundlagen eines Rahmenabkommens festgehalten, dessen Einzelheiten in der gegenwärtigen Verhandlungsrunde diskutiert werden sollen. Über den tatsächlichen Stand der Annäherung gibt es jedoch keine zuverlässigen Informationen. Robert Palladino, ein Sprecher des State Department, teilte am Montag während einer routinemäßigen Pressekonferenz nur in sehr allgemeiner Form mit, die Gespräche in Doha konzentrierten sich auf vier miteinander verbundene Themen, die Bestandteil jeder künftigen Vereinbarung sein müssten. Diese Themen seien die Bekämpfung des Terrorismus, der Abzug der ausländischen Truppen, der innerafghanische Dialog und ein Waffenstillstand.

Die Taliban weigern sich, direkte Gespräche mit der Regierung in Kabul zu führen, solange es nicht wenigstens einen verbindlichen Zeitplan für den Truppenabzug der USA und deren Verbündeten gibt. Bis dahin wollen sie auch keinem dauerhaften Waffenstillstand zustimmen.

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