Gegründet 1947 Dienstag, 23. April 2019, Nr. 94
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 28.02.2019, Seite 15 / Medien
Fluchtpläne

DuMont schreibt Brief an Mitarbeiter

Geplanter Verkauf des Zeitungsgeschäfts nur »Option«. Verdi fordert Transparenz
Von Dieter Schubert
Tiefe_Einschnitte_be_51328417.jpg
Berliner Zeitung wieder Handelsware? Schriftzug an ihrem alten Verlagsgebäude

Die deutsche Medienbranche ist in Unruhe. Am Dienstag überraschte das Fachportal Horizont mit der Meldung, dass der Kölner Verleger DuMont plane, seine komplettes Zeitungsgeschäft zu verkaufen. Angestammte Titel wie der Kölner Stadt-Anzeiger und der Express sollen ebenso veräußert werden wie die Zukäufe der vergangenen Jahre, Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Mitteldeutsche Zeitung (Halle) oder Hamburger Morgenpost. Am Mittwoch berichtete der Branchendienst Meedia.de dann von einer ersten Reaktion der Kölner auf die Veröffentlichung und druckte ein Schreiben des DuMont-Vorstandes an die Mitarbeiter ab.

Wer davon Klartext erwartet hat, wird enttäuscht. Die Geschäftsleitung versucht, im Schreiben den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den Verkaufsofferten um übliche Prüfungen zur »zukünftigen Aufstellung des Unternehmens« handele, inklusive einer »mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe«. Also »Optionen«, keine festen Pläne. Zugleich klagen die Konzernmanager Christoph Bauer (CEO) und Stefan Hütwohl (CFO): »Leider ist es nicht gelungen, dass die gebotene Vertraulichkeit in diesem laufenden Prozess gewahrt wird. (…) Die Prüfung verschiedener Optionen wird mindestens bis Mitte des Jahres dauern. Vor diesem Zeitpunkt wird es weder konkrete Ergebnisse noch Entscheidungen dazu geben.«

Überraschend ist die Aktion der Erben des vor vier Jahren verstorbenen Verlegers Alfred Neven DuMont nicht. Permanenter Kundenschwund und Auflagenrückgang haben die großen Medienunternehmen in den zurückliegenden Jahren schon zu diversen Konsolidierungsversuchen veranlasst. Ein »Sanierungsprogramm« nach dem anderen wird verkündet, Stellen gestrichen, Redaktionen geschrumpft und zusammengelegt. In der Branche wird seit dem offenen Eingeständnis einer anhaltenden Zeitungskrise ohnehin darüber spekuliert, wer als erster die Flucht ergreift. Je nachdem, wie diese größere Absetzbewegung ausfällt, dürfte dann die Reaktion der anderen ausfallen: Marktbereinigung durch Aufkauf und Schließungen scheinen ebenso möglich, wie eine kopflose Flucht aus den Printtiteln.

Für die Beschäftigten der DuMont-Zeitungen ist das Schreiben der Manager nicht einmal ein Trostpflaster nach der Schockmeldung vom Dienstag. Die Gewerkschaft Verdi meldete sich am Mittwoch mit scharfer Kritik zu Wort. Sie forderte die Leitung von DuMont auf, »die Belegschaft und die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend über eine geplante Zerschlagung der
Mediengruppe zu informieren«. Der stellvertretende Vorsitzende Frank Werneke nannte es in einer Erklärung »unerträglich, mit welcher Gleichgültigkeit die Gesellschafter des Unternehmens mit den Existenzen Tausender Beschäftigter umgehen«. Weder die Betriebsräte noch die Gewerkschaften seien über solche Pläne informiert worden.

Ähnliche:

Mehr aus: Medien