Gegründet 1947 Donnerstag, 25. April 2019, Nr. 96
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 27.02.2019, Seite 1 / Ausland
Konflikt zwischen Atommächten

Kampfflugzeuge über Kaschmir

Indien verletzt pakistanischen Luftraum. Islamabad bereitet Reaktion vor
RTX6OO21.jpg
Anspannung: Grenzsoldaten patrouillieren am Dienstag an der Grenze zu Pakistan in Ranbir Singh Pora im indischen Teil Kaschmirs

Am frühen Dienstag morgen haben indische Kampfjets pakistanisches Territorium in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa nahe der umkämpften Region Kaschmir angegriffen. Das mehrheitlich von Muslimen bewohnte Gebiet und ehemals selbständige Fürstentum ist seit 1949 zwischen den beiden Atomstaaten geteilt.

Der Luftangriff habe einem Lager der dschihadistischen Miliz Jaish-e-Mohammed nahe der Stadt Balakot gegolten, so der indische Außenminister Vijay Gokhale. Die Gruppe kämpft seit dem Jahr 2000 für einen Anschluss Kaschmirs an Pakistan. Indien berief sich auf »glaubwürdige Informationen« über Anschlagspläne und sei deshalb präventiv tätig geworden.

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan rief die Streitkräfte und seine Landsleute dazu auf, sich auf alles vorzubereiten. Indien habe eine ungerechtfertigte Aggression begangen, hieß es Dienstag im Anschluss an eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitskomitees. Außenminister Shah Mehmood Qureshi sagte dazu: »Pakistan behält sich das Recht auf Selbstverteidigung und eine angemessene Reaktion vor.« Khan habe zudem eine Sondersitzung der Nuklearen Kontrollbehörde für den heutigen Mittwoch angesetzt.

Die Behauptung der Regierung in Neu-Delhi, viele Kämpfer getötet zu haben, sei »eigennützig, rücksichtslos und erfunden«, so Qureshi. Zuvor hatte ein Armeesprecher bereits mitgeteilt, es habe keine Verluste oder sonstige Schäden bei dem Angriff gegeben. Vielmehr hätten pakistanische Kampfflugzeuge die indischen Flieger zur Umkehr gezwungen.

Die gegenwärtige Eskalation ist die Folge eines von Jaish-e-Mohammed am 14. Februar im indischen Teil Kaschmirs verübten Selbstmordattentats. Dabei waren 40 Angehörige einer paramilitärischen Polizeitruppe getötet worden. Indien beschuldigte Pakistan, den Anschlag unterstützt zu haben.

China rief die beiden Atommächte am Dienstag dazu auf »Zurückhaltung zu üben«. Beide müssten bei der Stabilisierung der Situation in der Region helfen und ihre Beziehungen verbessern, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums. (dpa/jW)

Mehr aus: Ausland