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Aus: Ausgabe vom 18.02.2019, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Bei den Bayern gerade besonders wichtig: Kingsley Coman

Der erste von drei Auftritten deutscher gegen englische Mannschaften in der Champions League ging schon mal total daneben. 0:3 verlor der BVB am Mittwoch gegen Tottenham, nachdem er zuvor in der Bundesliga nach einer 3:0-Führung gegen Hoffenheim innerhalb von zwölf Minuten noch drei Gegentore kassiert hatte.

Die Bayern gewannen ihre letzte Bundesligapartie vor der Begegnung mit Klopps Liverpool am Dienstag zwar 3:2 gegen Augsburg, aber überzeugend war dieser Sieg nicht, und dann verletzte sich auch noch Coman am Sprungelenk, das bei ihm besonders anfällig ist, weshalb er bereits darüber nachgedacht hat, seine Karriere zu beenden. Coman ist bei den Bayern gerade besonders wichtig, trug er doch gleich zwei Tore zum Zittersieg in Augsburg bei, nachdem Goretzka in der Anfangsphase ein Eigentor fabriziert hatte. Die Bayern sahen ganz und gar nicht danach aus, als würde ihnen die Erfolge in den Schoß fallen. Gegen die Reds traut ihnen niemand allzu Großartiges zu, die Favoritenrolle hat eindeutig Liverpool, d. h. Bayern kann eigentlich nur gewinnen, und leider haben sie oft genug bewiesen, dass sie dann besonders stark sind, während den Dortmundern bei Tottenham die Favoritenrolle überhaupt nicht gut bekam.

Die Chancen der Bayern sind also gar nicht so schlecht, während den Schalkern am Mittwoch ein Desaster ins Haus steht. Sie empfangen das extrem spielstarke Manchester City als eine Elf, der in der Bundesliga noch kein einziges glanzvolles Spiel gelungen ist, an das sie sich klammern könnten, im Sinne von: Es geht doch. Es geht eben nicht, auch nicht am Sonnabend gegen Freiburg, gegen das man mit Glück ein torloses Remis zustande brachte. In der ersten Halbzeit waren die Schalker noch etwas besser, bissen sich aber an der disziplinierten Abwehr der Breisgauer die Zähne aus, schließlich dezimierten sich die Schalke nach einem üblen Foul von Serdar an Frantz selbst. Ein Spiel, in dem der Schiedsrichter im Mittelpunkt steht, ist nie besonders attraktiv, aber das ist die einzige Chance, die Schalke zur Zeit hat. In der 2. Hälfte nutzten die Freiburger ihre zahlenmäßige Überlegenheit und spürten, dass drei Punkte drin waren, aber Innenverteidiger Lienhart brachte das Kunststück fertig, aus einem Meter Entfernung über das Tor der Schalker zu köpfen.

Hoffenheim tat sich mit einem 3:0 gegen Hannover gütlich, vergab dabei Chancen für ein 8:0. Der Versuch von Trainer Doll, den dürftigen Sieg Hannovers gegen die noch schwächeren Nürnberger in der Vorwoche als Aufbruch eines Teams zu interpretieren, das sich noch nicht aufgegeben habe, ist damit obsolet. Man kann bei den einschlägigen Wettbüros jetzt schon nichts mehr gewinnen, wenn man auf den Abstieg Hannovers setzt. Bei Nürnberg darf man gespannt sein, denn auf der dortigen Trainerbank hat Marek »der Schatten« Mintal den glücklosen Köllner abgelöst. Die Partie gegen Dortmund am Montag abend ist für beide Mannschaften richtungsweisend, wobei der BVB von einem Sieg mit Kampf und Krampf wenig hätte – ein glanzvolles 7:0 wie in der Hinrunde ist von vornherein ausgeschlossen.

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