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Aus: Ausgabe vom 15.02.2019, Seite 1 / Titel
US-Imperialismus

Kuba schlägt Alarm

Havanna enthüllt Vorbereitungen der USA für Intervention in Venezuela. Truppen werden in Karibik zusammengezogen
Von Volker Hermsdorf
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US-Marines und Einheiten der Streitkräfte der Dominikanischen Republik im Rahmen einer gemeinsamen Militärübung auf dem Gelände der Luftwaffenbasis San Isidro in der Dominikanischen Republik (13.11.2009)

Ein Krieg gegen Venezuela wird wahrscheinlicher. Die kubanische Regierung hat den USA in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) vorgeworfen, ein »als humanitäre Mission getarntes militärisches Abenteuer« vorzubereiten. In einer offiziellen Erklärung ruft Havanna die »internationale Gemeinschaft« auf, alle Kräfte zu mobilisieren, um eine Intervention in Venezuela zu verhindern.

Nach Angaben Kubas wurde zwischen dem 6. und 10. Februar die Ankunft von US-Spezialeinheiten auf verschiedenen Flughäfen in der Region registriert. Unter anderem habe es Militärtransportflüge der USA zu einem Flughafen auf Puerto Rico, zum Luftwaffenstützpunkt San Isidro in der Dominikanischen Republik und auf »andere strategisch gelegene Karibikinseln« gegeben, heißt es in der Erklärung.

Die Transporte seien von US-Militärstützpunkten gestartet, von denen Truppen für Sondereinsätze und der Marineinfanterie operierten. Derartige Einheiten setzten die USA für »verdeckte Aktionen, darunter gegen Führer anderer Länder« ein, erklärte die Regierung in Havanna weiter. Die USA bereiteten ein »als humanitäre Intervention getarntes Militärabenteuer in Venezuela« vor, warnte auch Außenminister Bruno Rodríguez auf Twitter.

Zeitgleich bestätigte die US-Botschaft in Brasilien eine Visite von Craig Faller, Kommandeur des Südkommandos der US-Streitkräfte (Southcom), dem alle militärischen Operationen der USA in Lateinamerika unterstehen. Zwischen dem 10. und dem 13. Februar habe Faller sowohl mit dem Außen- und dem Verteidigungsminister als auch mit den Spitzen des brasilianischen Militärs über Maßnahmen zum Schutz »des Friedens in der Region und der Stabilität der westlichen Hemisphäre« beraten, heißt es in einer US-Mitteilung.

Am Donnerstag meldeten Aktivisten dann die Ankunft Fallers auf der nur 60 Kilometer von der venezolanischen Küste entfernten niederländischen Karibikinsel Curaçao. Über der dortigen Militärbasis, wo die größte Ansammlung westlicher Einheiten in der gesamten Karibik konzentriert ist, wehe statt der holländischen die US-Fahne.

Der Ring zieht sich offenbar zu. Am Mittwoch hatte sich bereits der kolumbianische Präsident Iván Duque in Washington mit US-Präsident Donald Trump über das weitere Vorgehen zum Sturz der Regierung in Caracas verständigt. Für die Strategie Washingtons nimmt Kolumbien eine Schlüsselrolle ein.

Im Juni 2018 hatte die Regierung in Bogotá eine »Vereinbarung zur Zusammenarbeit und Verteidigung« mit der NATO unterzeichnet. Als einziges Land in Lateinamerika wurde Kolumbien daraufhin im Juli 2018 der spezielle NATO-Status eines »Global Partner« zugesprochen. Damit sind – im Falle einer Invasion – auch die europäischen NATO-Staaten zumindest teilweise involviert.

Die aktuelle Situation in Lateinamerika erinnere an die von Washington organisierten Kriege in Jugoslawien, dem Irak und Libyen, die unter dem Vorwand, einen »humanitären Korridor« zum Schutz der Zivilbevölkerung einzurichten, begonnen worden seien, erklärte die kubanische Regierung. Das Ergebnis derartiger »Maßnahmen« seien unzählige Tote gewesen.

Angesichts der akuten Bedrohung ruft Kuba die Solidaritätsbewegungen auf, ihre Kräfte zu bündeln, »um eine militärische Aktion gegen Venezuela zu verhindern«. So finden am Samstag in Berlin und Hamburg jeweils um 14 Uhr Kundgebungen zur Unterstützung Venezuelas statt.

Solidaritätskundgebungen mit Venezuela:

Berlin: Sa., 14 Uhr, Pariser Platz (Brandenburger Tor)

Hamburg: Sa., 14 Uhr, Bahrenfelder Straße/Ecke Ottenser Hauptstr.

Debatte

  • Beitrag von Manfred G. aus H. (14. Februar 2019 um 23:34 Uhr)
    Bei der US-Außenpolitik geht es nicht darum, Kriege zu gewinnen. Hauptziele sind Destabilisierung und Chaos. In der destabilisierten Situation unterstützen sie politische Minderheiten mit Geld und Material, um sie an die Macht zu bringen. Diese Marionetten geben dann grünes Licht für die Ausplünderung des Landes. Es gibt nur eine richtige Antwort: den USA und deren Vasallen in den Arm zu fallen. Sowohl auf der ökonomischen als auch auf der militärischen Ebene.
  • Beitrag von günther d. aus b. (15. Februar 2019 um 11:22 Uhr)
    Betrachtet man die Geschichte des nordamerikanischen Kontinents, so muss man feststellen, dass von Anbeginn das Ziel galt »America first«. Zwar wies die Methode unterschiedliche Nuancen auf, was sich schon aus den unterschiedlichen Zeitabläufen erklärt, in denen sie abliefen. So galt zu Beginn des Raubzuges die Losung: »Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.« Um dieses Ziel möglichst »rational« zu erreichen, wurde die Lebensbasis der »Wilden« – die Büffel – millionenfach abgeknallt. Auf diesem Niveau ging es durch die wenigen Jahrhunderte, die dieser Teilerdteil alt ist. (Die einzige Periode, in der bisher positive geschichtliche Abläufe stattfanden, war der Einsatz in der Anti-Hitler-Koalition). Aber seither dreht sich die Mühle der Cowboys wieder in reaktionärer Richtung. Besonders aktiv ist diese Bewegung, seitdem es gelungen ist, den einzigen wirksamen Bremsklotz – das sozialistische Gegensystem – auszuschalten. Zwar holten sich die Amis auch einmal blutige Nasen – Vietnam – aber damals gab es noch einen aktiven Gegner. Der fehlt nun seit 1990.

    Auf die Vorgänge seit der »neuen Zeit« muss nicht hingewiesen werden. Sie sind noch allgemein bekannt. Jetzt hat man sich vorgenommen, Venezuela zu »demokratisieren«. Positive Vorarbeit durch CIA und umgespulte heimische Unzufriedene ist geleistet worden und nun soll diese Frucht, das Erdöl, geerntet werden. Wahrscheinlich haben schlaue Manager schon herausgefunden, das mit Schieferöl auf die Dauer kein großer Staat zu machen sein wird.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Thomas Koepcke: Respekt siegt Seit Jahren verfolge ich die Südamerika-Politik der USA. Es ist immer dasselbe: Die Bevölkerung eines Landes wählt eine linke Regierung. Die Leute sind glücklich, und es gibt erste Verbesserungen in i...
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