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Aus: Ausgabe vom 14.02.2019, Seite 16 / Sport
Biathlon

Nicht ohne mein Gewehr

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Da hat er es noch: Biathlet Erik Lesser und sein Gewehr, Januar 2019 beim Weltcup in Oberhof

Soldier Hollow. »Ich vermisse meine Waffe.« Ein Satz, den man eher einem US-amerikanischen Waffennarren während eines taubensatten Venedig-Urlaubs zutraut als einem Deutschen in den USA. Das Zitat ist aber von Erik Lesser, der den Satz in den sozialen Netzwerken geschrieben hatte, garniert mit dem Zusatz: »Jetzt muss ich mir wohl eine bei Walmart besorgen. God bless America.«

Lesser ist Biathlet. Eigentlich hatten die deutschen Skijäger eine ordentliche WM-Generalprobe im US-amerikanischen Soldier Hollow hinlegen wollen. Dann erlebten sie die Tücken der Einreise.

Der 30jährige Lesser, der in Abwesenheit von Olympiasiegerin Laura Dahlmeier (die nach gesundheitlichen Problemen an ihrer Form feilt) und Arnd Pfeiffer (krank) der prominenteste Athlet im Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) ist, musste sich jedoch nicht als einziger gedulden. Auch Franziska Preuß stand zunächst mit leeren Händen da, und auf zwei von insgesamt drei aufgegeben Gepäckstücken musste gar Johannes Kühn warten – er suchte sein Gewehr ebenfalls vergebens.

Bis zum Sprintrennen am Freitag (19.15 Uhr/ZDF und Eurosport) über zehn Kilometer sollten die deutschen Männer ihre Sachen aber längst wieder beisammen haben. Inwiefern die (Ein-)Reiseprobleme die Vorbereitungen der Frauen beeinflussen, die mit ihrem Sprint über 7,5 Kilometer schon am Donnerstag (19.15 Uhr) den letzten Weltcup vor der WM in Östersund eröffnen, bleibt abzuwarten. Trotz des Ausfalls von Dahlmeier hoffen die Frauen auf weitere Erfolgserlebnisse. Dabei helfen könnten die Strapazen, die auch die Konkurrentinnen bei der Reise von Canmore nach Soldier Hollow ertragen mussten. Die dreimalige Saisonsiegerin Kaisa Mäkäräinen aus Finnland beispielsweise benötigte mehr als 40 Stunden für 1200 Kilometer Luftlinie. Dass ihr Gepäck bei der Ankunft nicht komplett war, versteht sich von selbst.

Während die Protagonisten also im Vorfeld der Wettkämpfe mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen hatten, sind die Veranstalter froh, dass die Rennen aller Wahrscheinlichkeit reibungslos über die Bühne gehen werden. Die Temperaturen sind längst nicht so tief wie in Canmore, wo die Eiseskälte zu Ausfällen führte. (sid/jW)