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Aus: Ausgabe vom 14.02.2019, Seite 15 / Medien
»Maximale Kosteneffizienz«

Funke spitzt den Rotstift

Kürzungsprogramm beim WAZ-Großverlag. Zeitungschef nennt es »Kulturrevolution«
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Alte WAZ-Zentrale in Essen: Da saß die Truppe noch nicht in einem »Kohleflöz«, dem die neuen Räumlichkeiten »nachempfunden« sein sollen. Aber die Jobs schienen noch sicher

Kaum hat die Funke-Mediengruppe ihren neuen Verlagssitz in Essen bezogen, gibt es schlechte Nachrichten: Die Verlagsleitung des Medienkonzerns rund um die Gruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ; derwesten.de) überraschte Mitarbeiter und Kunden am vergangenen Donnerstag mit »einem der größten Sparkurse in der jüngeren Verlagsgeschichte«, wie das Fachportal Meedia.de am Montag formulierte. Übersetzt: Es drohen tiefgreifende Einschnitte und Stellenabbau.

Der seit knapp einem Jahr in der Funke-Zentrale für das Zeitungsgeschäft zuständige Manager Ove Saffe nennt das nicht ganz unzutreffend eine »Kulturrevolution« – jedenfalls was die Auswirkungen auf die Beschäftigten betrifft. Ansonsten ist das Rezept des ehemaligen Spiegel-Geschäftsführers ein alter Hut: Der Verlag will künftig »digitaler und effizienter« (Meedia.de) daherkommen – also Online Geld verdienen. Der Tageszeitungsbereich solle, so die Drohung der Chefetage, »im Sinne maximaler Kosteneffizienz« neu aufgestellt werden. Was der im Privatbesitz einiger Erben befindliche Medienverlag – er firmiert als Personengesellschaft (GmbH & Co. KG auf Aktien) damit meint, war der Pressemitteilung nur indirekt zu entnehmen: »Eine dreistellige Zahl an Stellen streicht der Konzern, um einen zweistelligen Millionenbetrag zu sparen«, schrieb Meedia.de.

Auch in Essen gilt der Printbereich offenbar als Auslaufmodell: Die Druckerei in der Stadt soll geschlossen werden. »120 Mitarbeitern werden Jobs in der 60 Kilometer entfernten Druckerei in Hagen angeboten«, wie das Fachportal schrieb. Auch die Berliner Zentralredaktion muss den Plänen zufolge bluten: Rund 20 Stellen stehen laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) demnach zur Disposition. Bei den gedruckten Zeitungen in NRW sollen laut DJV zehn Prozent der Stellen gestrichen werden. Der Verband kritisierte vergangenen Donnerstag das Vorhaben als »konfusen und völlig überzogenen Aktionismus«.

Besonders bitter: Funke »spart« an der Volontärsausbildung. Der Verlag wird die Anzahl der hauseigenen Volontäre von derzeit 46 auf 23 verringern, berichtete Meedia.de unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher. (jW)

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