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Aus: Ausgabe vom 13.02.2019, Seite 15 / Antifa
»Dresden nazifrei«

Querstellen in Dresden

Neonazis wollen 74. Jahrestag der Bombardierung der Stadt für ihre Propaganda nutzen
Von Steve Hollasky
Polizeikräfte schirmen Gegendemonstranten einer AfD-»Gedenkveran
Polizeikräfte schirmen Teilnehmer einer Demonstration gegen eine AfD-»Gedenkveranstaltung« ab (Dresden, 13.2.2018)

Auch in diesem Februar drohen Dresden rechte Aufzüge und Aktionen anlässlich der sich zum 74. Mal jährenden Bombardierung der Stadt im Jahr 1945. Ein rechtes Bündnis mobilisiert für diesen Freitag zu einer als Trauermarsch getarnten Demonstration.

Bis 2009 waren die von Neonazis organisierten Märsche zu den größten regelmäßig stattfindenden faschistischen Aufzügen in Europa angewachsen. In den beiden darauffolgenden Jahren war es dem Bündnis »Nazifrei – Dresden stellt sich quer« durch Massenblockaden gelungen, die Neonazis daran zu hindern, durch Sachsens Hauptstadt zu ziehen. Dennoch versuchen rechte Kräfte weiterhin in den Tagen um den 13. Februar in Dresden zu marschieren.

Aus genau diesem Grund wird auch in diesem Jahr das Bündnis »Dresden nazifrei« wieder »die Naziaktivitäten in der Stadt beobachten«, wie es in einer Presseerklärung vom Freitag bekanntgab. Man wolle es »den Nazis so ungemütlich wie möglich« machen und verhindern, dass sie »ihre menschenverachtende Propaganda auf die Straße tragen«.

Die antifaschistischen Aktivistinnen und Aktivisten wollen nicht allein auf öffentliche Aktionen von Neonazis reagieren, sondern auch eine Auseinandersetzung mit selten thematisierten Seiten der NS-Vergangenheit in der Stadt erwirken. So wurden im Rahmen des diesjährigen »Mahngangs Täterspuren« bereits am Sonntag »Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Dresden« beleuchtet. Nicht weniger als 240 Firmen verdienten in der Stadt an der Elbe am Krieg. Viele von ihnen erhöhten ihre Profite noch einmal durch den Einsatz von Arbeitssklaven. Station machte der Mahngang unter anderem an der Stelle, an der sich seit November 1942 ein Lager für jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befand. Von dort wurden sie im März 1943 zum Massenmord in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Gut 500 Menschen nahmen trotz schlechten Wetters an dem Rundgang teil. Einzig die Polizeipräsenz, die eine Mitorganisatorin des Mahngangs im Gespräch mit junge Welt am Sonntag als »deutlich überzogen« bezeichnete, sorgte zwischenzeitlich für Unmut.

Indes dürfte die Woche für die Aktiven von »Dresden nazifrei« spannend bleiben. Ob die Neonazis am Ende tatsächlich, wie ursprünglich angekündigt, am Freitag marschieren werden, bleibt offen. Der Aufmarsch könnte kurzfristig noch auf einen anderen Tag verlegt werden. Und auch der konkrete Ablauf der braunen Demonstration am heutigen Mittwoch ist vorab unklar. Man sei »auf verschiedene Szenarien vorbereitet« und werde die »ganze Woche aufmerksam sein«, um schnell Gegenaktivitäten in Angriff nehmen zu können, erklärte »Dresden nazifrei« am Sonntag.

Informationen: dresden-nazifrei.com

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