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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Drei Tore Vorsprung muss man erst mal verspielen: BVB mit Formschwäche

Der BVB macht es spannend. Jedenfalls ist es mit den Dortmundern nicht so langweilig wie in den letzten Jahren mit den Bayern. Dreimal hintereinander haben sie nur Remis gespielt. War das 3:3 im Pokalfight gegen Werder schon schlimm, weil man zwei völlig unnötige späte Tore hinnehmen musste, die zum Elfmeterschießen führten, so war dieses 3:3 zu Hause gegen Hoffenheim noch viel schlimmer, da man bis zur 75. Minute 3:0 führte und dann innerhalb von zwölf Minuten drei Gegentore kassierte.

Und das nicht einmal zu Unrecht. Zwar fehlte erneut Reus, aber sonst waren die Grippekranken fast alle wieder genesen, vor allem war Sancho zurück und zeigte, dass ohne ihn gerade nicht allzuviel läuft in Dortmund. Gegen seine Sololäufe, seinen Antritt und seine Finten kommt kein Spieler der Welt an. Das erste Tor schoss er selbst, die beiden anderen bereitete er auf geniale Weise vor. Das war in der ersten Halbzeit allerdings auch relativ leicht, denn Hoffenheim spielte sehr zurückhaltend und kam kein einziges Mal wirklich gefährlich vor das Tor. Das änderte sich schlagartig in der 2. Halbzeit, als mit Geiger und Belfodil zwei neue Spieler für Hoffenheim aufliefen. Plötzlich spielten sie aggressiv und setzten den ballführenden Mann frühzeitig unter Druck.

Und Dortmund fing an zu schwimmen. Eine torgefährliche Situation reihte sich an die andere, aber der Anschlusstreffer wollte nicht fallen, statt dessen erzielten die Dortmunder, wunderschön kombinierend, nach Hackentrick von Sancho auf Götze, der in den Rückraum auf Guerreiro passte, das 3:0. Aber die Hoffenheimer ließen sich nicht beeindrucken und spielten einfach ihr Spiel weiter. Hätte Sancho nach einem Konter das 4:0 erzielt, wäre das Spiel endgültig entschieden gewesen, doch auch einem Sancho gelingt eben nicht alles. Aber ein Drei-Tore-Vorsprung sollte 15 Minuten vor Abpfiff eigentlich reichen.

Leider klappte bei Hoffenheim nunmehr all das, was vorher misslungen war. Und als Sancho nach hinten verteidigte und ein leichter Rempler mit einem Strafstoß geahndet wurde, war Dortmunds Schicksal im Grunde besiegelt. Der Strafstoß war zwar eine Fehlentscheidung, aber man kann so eine Flanke aus dem Halbfeld auch verteidigen. Diallo und Hakimi indes waren an diesem Tag von der Rolle, und die Dortmunder Trainerbank traf merkwürdige Entscheidungen und setzte völlig falsche Signale, denn man wechselte mit Toprak für Götze einen Defensivmann ein, der das fragile Gefüge noch chaotischer machte. Kurz darauf fielen zwei Hoffenheim-Tore. Und als Dortmund versuchte, noch den Siegtreffer zu erzielen, wechselte man in der 92. Minute völlig sinnlos Wolf für Guerreiro ein, was man nur macht, wenn man auf Zeit spielen will, die man allerdings nicht hatte.

Es sind zwar immer noch fünf Punkte Vorsprung vor Bayern, die gegen Schalke natürlich nicht viel Mühe hatten, doch durchaus bedenklich ist die augenblickliche Formschwäche, die ohne Reus noch verschärft wird. Diese Formschwäche kommt nicht gerade gelegen, denn so hat man in der Champions League gegen Tottenham am Mittwoch kaum Chancen. Danach muss man zum Club, dem das Wasser bis zum Hals steht. Auch das ist keine angenehme Aufgabe, denn die Nürnberger haben nach der Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Hannover nichts mehr zu verlieren.

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