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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 8 / Ansichten

Arbeiterdarsteller des Tages: Uwe Hück

Von Klaus Fischer
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Bald SPD-Politiker: Uwe Hück, bis 4. Februar Gesamtbetriebsratschef von Porsche

Einer der letzten Arbeiterdarsteller mit SPD-Parteibuch will in die Politik. Uwe Hück, seit mehr als 20 Jahren Chef des Gesamtbetriebsrates von Porsche, scheint eine Mission zu haben. Und dabei hatte er seiner Partei zunächst keine Rolle zugedacht. Er schmiss den Job bei dem zu VW gehörenden Luxusautohersteller und kündigte am vergangenen Montag an, mit eigener Liste »Pforzheim wird gewinnen« bei der Wahl zum Gemeinderat in der badischen Großstadt zu kandidieren.

Der Schritt erschütterte die SPD in ihren Grundfesten. Sie hätte Hück ausschließen müssen, einen der letzten populären Spitzengenossen, die, ohne sich zum Affen zu machen, einen Blaumann tragen können. Vor allem aber, weil die Partei derzeit suboptimal dasteht. Umgehend suchten präsente Sozialdemokraten wie Sigmar Gabriel Kontakt zu dem missmutigen Helden und stimmten ihn um. Das Ergebnis: Hück kandidiert am 26. Mai für seine bisherige Partei. Auf Listenplatz eins. Und später eventuell auch für mehr – Ambitionen auf den Landtag sind nicht ausgeschlossen.

Es ist die kumpelhafte Attitüde, die den Wert des Funktionärs für die SPD ausmacht, einer Partei, die ihren Kader und die Mitgliedschaft inzwischen anderswo rekrutiert. Früher nannte man Leute wie den Umworbenen Stehkragenproletarier. Heute kommen die aus der Klasse »aufgestiegenen« Funktionäre zeitgemäß in jeweils angemessener Verkleidung daher. Eine ist die des Arbeiters.

Proletarisch oder gar solidarisch war Hücks Verhalten nicht immer. 2003 gehörte er zu einer Gang von Betriebsratsfürsten der Autobranche, die den Streik um die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche im Osten abwürgte. Von dieser Aktion hat sich die IG Metall in der Region bis heute nicht erholt. Dennoch repräsentiert er die proletarische Restmenge der SPD. Die will die Partei offenbar bewahren. In Pforzheim zumindest könnte es klappen.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Volker Zorn: Sekretär der Milliardäre Bitte nicht, jetzt geht der Hück auch noch in die Politik, als hätt’ er in der Wirtschaft nicht schon genug angericht’. Uns Uwe wird als Gesamtbetriebsratschef bei Porsche in Erinnerung bleiben, weil ...
  • Reinhard Hopp: Pseudoproletarier Wenn es etwas gibt, woran in der SPD noch niemals Mangel herrschte, dann an Opportunisten, Subalternen und Arbeiterverrätern. Das war schon 1914 so und ist auch im Jahre 2019 nicht anders. Schon die E...

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