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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Kräuterburger

Von Ina Bösecke

Klein, frech und im Schlabberlook – So präsentiert sich eine neue Disney-Prinzessin in dem Film »Chaos im Netz« (USA 2018) von Rich Moore und Phil Johnston. Zugegeben, es hatte sich bereits einiges geändert im Prinzessinnendasein beim größten Medienunternehmen für Kinderunterhaltung. Während diese früher nur vor garstigen alten Frauen flüchteten und entweder das Haus der sieben Zwerge putzten (Schneewittchen) oder für den Haushalt der Familie sorgten (Cinderella), dabei mit Tieren des Waldes oder der Umgebung trällerten und immer von einem starken Prinzen errettet wurden, durften Damen späterer Produktionen wie Rapunzel und die Eisprinzessinnen Anna und Elsa schon weitaus weniger lieblich agieren. Vaiana, die Tochter eines Stammeshäuptlings aus Polynesien (2017 produziert) rettete sogar zusammen mit einem Halbgott ihr Volk vor dem Verderben. Die Disney-Prinzessinnen sind also über die Jahre stärker, schlauer und mutiger geworden, waren aber einheitlich groß, schlank, anmutig und immer in feine Kleider gehüllt. Dank der Rennfahrerin Vanellope von Schweetz, Hauptfigur des neuesten Disney-Films, dürfen sich alle Prinzessinnen nun bequeme Kleidung anziehen. Vanellope trifft sie nämlich in einer Szene, die zu den lustigsten im Film gehört.

Die zweite Hauptfigur heißt Randale-Ralph und ist wie Vanellope eine Figur aus Spielen, die heute kaum noch einer kennt, weil sie vor dem Internet in sogenannten Spielhallen gespielt wurden. Randale-Ralph, ein großer, knuffiger, etwas einfältiger Typ, und Vanellope müssen ins Internet reisen, um eins ihrer Spiele zu retten (nur Ebay hat die Lösung). Dort erleben sie viel Chaos und Wahnsinn, den sie nicht nachvollziehen können, weil sie ja Spielfiguren sind. Die Zuschauer aber, vor allem die erwachsenen, können sich über die Darstellung dieses zeitfressenden Mediums erfreuen. Ein dritter Aspekt spricht für diesen bemerkenswerten Film: Randale-Ralphs und Vanellopes Freundschaft wird am Ende auf eine harte Probe gestellt – was der Film als Problemlösung anbietet, kann selbst ein Zen-Meister nicht treffender formulieren. Nur das Thema Essen wird kleingehalten, wir haben es ja auch mit Spielfiguren zu tun, die nie gelernt haben zu kochen. Sie essen am liebsten Hamburger.

Kräuterburger mit gegrilltem Riesenchampignon: 300 g Knollensellerie putzen, schälen, in Streifen schneiden, mit je einer Prise Salz und Zucker eine Minute durchkneten. Flüssigkeit abgießen. Mit zwei EL Mayonnaise, ein EL Zitronensaft, Salz und Pfeffer mischen. 60 g Butter erhitzen, eine Knoblauchzehe (in feinen Würfeln), ein TL gehackten Thymian darin dünsten, mit Salz und Pfeffer würzen. Vier Riesenchampignons putzen, Stiele entfernen. Pilze in einer Grillpfanne in ein EL Olivenöl auf beiden Seiten drei Minuten braten. Mit etwas Gewürzbutter einpinseln. 100 g Kräuterblätter (zum Beispiel Estragon, Basilikum, Petersilie oder Rucola) waschen. Mit ein EL Olivenöl, ein EL Weißweinessig, ein TL Zucker verrühren. Vier Hamburgerbrötchen in der Grillpfanne goldbraun anrösten. Unterseiten mit dem Selleriesalat belegen, je ein Pilz und etwas Kräutersalat darauf geben, mit den Oberseiten bedecken.

»Nur das Thema Essen wird kleingehalten, wir haben es ja auch mit Spielfiguren zu tun, die nie gelernt haben zu kochen. Sie essen am liebsten Hamburger.«