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Aus: Ausgabe vom 08.02.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

»Können Sie knicken«

Schalkes Erfolgsmanager Rudi Assauer ist tot. Ein Nachruf in Zitaten
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Gute Zeiten für Gelsenkirchen: Der damalige Schalke-04-Manager Rudi Assauer mit dem DFB-Pokal 2001

Rudolf »Rudi« Assauer, der frühere Manager des Fußballbundesligisten FC Schalke 04, ist am Mittwoch im Alter von 74 Jahren an den Folgen seiner jahrelangen Alzheimer-Erkrankung gestorben. Schalke schaffte unter Assauer einige der größten Erfolge der Vereinsgeschichte: Den UEFA-Cup-Sieg 1997, die DFB-Pokal-Siege 2001 und 2002 sowie die Vizemeisterschaft 2001. Bekannt war Assauer auch für seine markigen Sprüche. (sid/jW)

»Beim Paffen kamen mir immer die besten Gedanken. Ob in der Sauna oder früher nach dem Essen mit einem schönen Wein. Zigarre und Cola light – etwa beim Fußballschauen eine herrliche Kombination.« (Über das Rauchen)

»Entweder ich schaffe Schalke – oder Schalke schafft mich!« (Über den Verein)

»Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.« (Zum Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer)

»Die Alte ist unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat.« (Über seine Freundin Kerstin)

»Das Wort mental gab es zu meiner Zeit als Spieler gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.« (Über Psychologie im Fußball)

»Wenn es eine Sache in der Welt gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut deutsch, dann Alzheimer. Der Kopf, die Birne – schlimmer geht’s nimmer!« (Über seine Krankheit)

»Die einvernehmliche Trennung ist erfolgt, nachdem ich gesagt habe, wir machen nicht weiter.« (Über die Entlassung von Trainer Frank Neubarth)

»Die schmieren den fetten Gänsen den Arsch. Wenn Bayern nur gegen den FC Hemdhoch spielt, ist das TV da.« (Zu Live-Übertragungen)

»Ich habe Herrn Assauer nie als Kaschmirproleten bezeichnet. Ich habe Herrn Assauer Kaschmirhooligan genannt.« (Der frühere Dortmunder Manager Michael Meier)

»Es war schon spät, kurz nach Mitternacht. Plötzlich klingelte es an der Tür. Ich öffnete. Theo Paeffgen, der von Schalke geschickte Anwalt, sagte mit leicht zittriger Stimme, dass er mir eine Nachricht überbringen müsse. Der Aufsichtsrat ließ ausrichten, dass meine Zeit auf Schalke abgelaufen sei.« (Assauer über den erzwungenen Abschied)

»Können Sie knicken. Dankeschön. Wiedersehen. Tür zu.« (Assauer lehnt ab, am Folgetag vor dem Aufsichtsrat zu erscheinen.)

»Mein Vater war früher gefühlsfeige, ist Konflikten generell gerne aus dem Weg gegangen. Knallhart im Job, zielstrebig, diszipliniert. Nun, durch die Krankheit, hat er sich geöffnet. Er sorgt sich, ist feinfühliger geworden.« (Assauers Tochter Bettina)

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