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Aus: Ausgabe vom 07.02.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

Antrag an Verdi-Bundesfachgruppenkonferenz, Deutschlandfunk zu Post-Preiserhöhungen

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Profitgeier brauchen Kontra: Verdi-Kollegen stehen jW in ihrem Kampf gegen die Preistreiber von der Post AG bei

An die Bundesfachgruppenkonferenz Verlage, Druck und Papier der Gewerkschaft Verdi richten Jan Schulze-Husmann und weitere Delegierte am Samstag den Antrag »Keine Preiserhöhung durch die Deutsche Post«:

Die Bundesfachschaftskonferenz Verlage, Druck und Papier beschließt: Die Verdi-Bundesfachgruppenkonferenz Verlage, Druck und Papier unterstützt die berechtigte Forderung der Tageszeitung junge Welt nach Zurücknahme der unverhältnismäßigen Preiserhöhungen für den Vertrieb von Tageszeitungen durch die Deutsche Post AG.

Wir fordern daher die Deutsche Post AG auf, ihre unverhältnismäßige Preiserhöhung zurückzunehmen und die Preisanhebung auf 2,8 Prozent zu beschränken.

Zum Hintergrund: Die Deutsche Post AG hat angekündigt, ihre Preise für den Vertrieb von Tageszeitungen bis 100 Gramm Gewicht drastisch zu erhöhen. Für die Tageszeitung junge Welt würde dies eine jährliche Mehrbelastung von 90.000 Euro bedeuten – dies entspricht einer Preiserhöhung von 28,5 Prozent. Dies würde die junge Welt akut in ihrer Existenz bedrohen. Ursprünglich war nur eine Preiserhöhung von 2,8 Prozent angekündigt worden. Dies entspräche den in den vergangenen Jahren stattgefundenen Preissteigerungen.

Für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wäre dies ein schwerer Verlust. Die junge Welt ist eine der wenigen Zeitungen, in der Kolleginnen und Kollegen aus den Gewerkschaften im Originalton zu Wort kommen und in der authentisch über stattfindende Arbeitskämpfe z. B. bei Amazon berichtet wird.

Viele Autor*innen schreiben auch in unseren Gewerkschaftspublikationen oder treten als Referent*innen auf Gewerkschaftsversammlungen auf. Natürlich gibt der eine oder andere Bericht oder Kommentar auch Anlass zur Kritik. Aber gerade dies ist Ausdruck eines dringend benötigten Meinungspluralismus. Dieser muss – auch in Form der jungen Welt – erhalten bleiben.

Den Wunsch eines jW-Lesers aufgreifend, berichtete der Deutschlandfunk am Dienstag in der Sendung @mediasres über den Fall:

Die Gründe dafür, dass Zeitungen in der Krise stecken, sind vielfältig. Immer weniger Abonnenten wollen morgens eine Zeitung aus dem Briefkasten ziehen. Aber die Leser, die sind nur das eine, das andere ist die Herkulesaufgabe, den verbliebenen Beziehern die Zeitungen zuverlässig zuzustellen. Und jetzt ist auch noch das Porto für bestimmte Blätter deutlich teurer geworden. Das schreibt uns unser Hörer Jürgen Mietz, der sich um die Zeitung junge Welt sorgt und uns gebeten hat, da mal nachzufassen (…)

Kurz vor Ablauf des vergangenen Jahres hatte die Deutsche Post AG eine handfeste Überraschung parat. Eigentlich wollte das Bonner Unternehmen das Porto für die Auslieferung einer Tageszeitung 2019 um 2,8 Prozent erhöhen, ganz unabhängig davon, wie viel die Zeitung wiegt.

Dann aber kam es ganz anders. Es gab keinen moderaten Preisanstieg. Statt dessen wurde über Nacht das Vergütungsmodell geändert. Die Folge: Für Zeitungen mit einem geringen Gewicht steigen die Kosten mit einem Mal überproportional (…)

Christian Eggert, Leiter Verlagswirtschaft beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, BDZV, zeigt sich (…) verärgert, »weil wir in den Gesprächen der letzten Jahre insbesondere auf solche Entwicklungen immer besonders geachtet haben, dass alle Verlage gleichmäßig von der Preisentwicklung der Post betroffen sind, um Härten einfach zu vermeiden. Und was uns enttäuscht, ist, dass wir diesmal die Gelegenheit nicht hatten, diese Bedenken anzuführen und insofern Einfluss auf die Preisentwicklung zu nehmen.« (…)

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