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Aus: Ausgabe vom 24.01.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Reaktionen auf EU-Abgasnormen

Autobauer sorgen für Nachschub

Diesel-Pkw: VW weitet Rabatte beim Fahrzeugwechsel aus. ADAC fordert Überprüfung der Normen
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Abgasmessung an einem Pkw mit Dieselmotor

Die Volkswagen AG weitet für ihre Kernmarke die Rabattaktion zum Umtausch älterer Dieselfahrzeuge auf ganz Deutschland aus – aber nur bis Ende April. Bislang war die sogenannte Wechselprämie Kunden in besonders belasteten Städten vorbehalten. Bei der Inzahlungnahme eines Diesel mit Euro-4- oder Euro-5-Abgasnorm sollten zusätzlich zum Restwert zwischen 500 und 7.000 Euro gezahlt werden, kündigte der Konzernbereich VW Pkw am Mittwoch an. Bei der Tochter Audi sind bis zu 9.000 Euro drin. Fachleute reagierten allerdings skeptisch.

Im Kampf gegen drohende Fahrverbote werde dies nicht helfen – »da kann Scheuer jetzt Luftsprünge machen«, urteilte der oft zitierte Experte Ferdinand Dudenhöffer laut Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der positiv auf das Tauschangebot reagiert hatte. Vielmehr gehe es darum, VW und Audi im Markt zu stabilisieren, schließlich seien wegen der schwierigen Umstellung auf den neuen Abgasprüfstandard WLTP die »Marktanteile wahnsinnig in die Knie gegangen«.

VW gab bekannt, dass die Rabatte beim Wechsel zu einem Neuwagen zwischen 500 Euro für den Kleinwagen »Up« und 7.000 Euro für »Passat« oder »Touareg« betragen sollen – und zwar vom 24. Januar an. Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte, dies unterstreiche das VW-Engagement für eine bessere Luftqualität.

Auch andere Autobauer gewähren Preisabschläge beim Neuwagenkauf, um ältere Diesel von den Straßen zu holen. Daimler beispielsweise bietet für Mercedes-Benz-Modelle bis zu 10.000 Euro in den besonders belasteten Gebieten – außerhalb sind es 2.000 Euro. BMW gewährt bei der Inzahlungnahme von Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 oder Euro 5 in besonders belasteten Regionen Rabatte von 6.000 Euro.

Dagegen hatte sich die Branche gegen Hardwarenachrüstung lange hartnäckig gewehrt. VW und Daimler sagten aber zu, Dieselautos in 15 »Intensivstädten« mit besonders hoher Schadstoffbelastung für bis zu 3.000 Euro pro Wagen mit einer Hardwarelösung nachträglich ausstatten zu lassen. Gerichte ordneten für mehrere Städte Fahrverbote für ältere Diesel an, etwa in Berlin, Köln, Essen oder Frankfurt.

Inzwischen hat der ADAC eine Überprüfung der EU-Abgasregelungen gefordert. »Wenn Bürger von Fahrverboten betroffen sind, müssen sie sich darauf verlassen können, dass die geltenden Grenzwerte wissenschaftlich begründet sind«, sagte der Vizepräsident des Autoklubs, Ulrich Klaus Becker, am Mittwoch in München. Mehr als hundert Lungenspezialisten hatten am selben Tag in einer öffentlichen Erklärung den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte bezweifelt. Sie sehen aufgrund methodischer Mängel in entsprechenden Studien und Festlegungen keine wissenschaftliche Begründung für sie.(dpa/jW)

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