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Aus: Ausgabe vom 18.01.2019, Seite 10 / Feuilleton
Droste

Vorzüge des Januars

Von Wiglaf Droste
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Der Januar hat viel für sich. Nach den ihm vorausgegangenen Jahresendvöllereien und der Knallkörper- und -korkerei kann man endlich eine kleinere Schwäche zu sich nehmen und schön in Ruhe bedenken, mit wem man den verbleibenden langen Rest des angebrochenen Jahres teilen möchte – und mit wem nicht.

Während man also ein mittleres Aua (Stirnhöllenvereiterung, Magengrippe oder beides, egal) zu dessen Tode pflegt und den Satz »Kleinweh macht auch Mist« in sich hineinkalauert, geht es ans Sortieren und Aufräumen. Beides sind nützliche Tätigkeiten; Besitzer geistiger Boutiquen sprechen von Feng Shui, was sehr hübsch nach »außen hui, innen pfui« klingt. »Außen pfui, innen hui« tut’s aber genausogut in der Eh-alles-Wurst-Welt.

Erstaunlich ist, wie schnell sich sozialer Nippes ansammelt; wenn man ihn nicht gleich wegtut, hat man blitzfix die Bude mit Staubfängern vollstehen. Man nennt das auch »gesellschaftliches Leben« oder spricht, im finalen Stadium, von »Vernetzung«, dem Endsiegtraum der Strippenzieher.

Und nun? Was tun? Soll man dran herumpusseln und -feudeln? Oder doch besser radikal werden und rein Deck machen? Exactement! Frisch ans Werk und weg mit Schaden! Fangen wir mit den stets und mit Grund als solche etikettierten »guten Freunden« an; »gute Freunde« unterscheiden sich von Freunden dadurch, dass sie keine Freunde sind.

Nütz-ich-dir-dann-nützt-du-mir-Verbindungen für Freundschaft auszugeben ist üblich; das Wort kommt nicht von üben, sondern von »mir wird übel«. Auf den Speicher oder in den Keller damit? Nein, schneiden und scheiden, und schon ist juppheidi!

Wenn man es so versteht, ist »The first cut is the deepest« ein heiteres Lied.

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