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Aus: Ausgabe vom 16.01.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Auch ohne Sané gerettet

Dem Exfußballbundesligisten Wattenscheid 09 gelingt es in letzter Sekunde, die Insolvenz abzuwenden
Von René Hamann
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Sein oder nicht sein? Wo drückt der Schuh? Leroy Sané vor wichtigen Entscheidungen

Leroy Sané hat sich nicht gemeldet. Der Sunnyboy, der inzwischen einen mehr als gutdotierten Vertrag beim englischen Neueliteklub Manchester City hat, aber eben auch eine Ruhrpottvergangenheit beim Exbundesligisten SG Wattenscheid 09, hat keine Kohle fließen lassen, um seinen überhaupt allerersten Verein zu unterstützen. Dabei hatte der das bitter nötig – 350.000 Euro mussten bis Montag abend insgesamt rangeschafft werden, ein Crowdfunding sollte dafür sorgen und Leroy Sané zur Not die letzte nötige Spritze geben.

Irgendwie versprochen war es wohl. Behaupteten jedenfalls Kreise rund um den schwächelnden Verein aus dem Bochumer Vorort, der lange schon eine Existenz in der Liga der Angeschlagenen, der Regionalliga West, fristet. In ganz ähnlichen Malaisen steckt zum Beispiel Ligakonkurrent Wuppertaler SV, auch Rot-Weiss Essen oder RW Oberhausen haben schon bessere Zeiten gesehen.

Nun ist es Wattenscheid 09 aber doch noch gelungen, rechtzeitig das nötige Geld aufzutreiben. Geholfen hat vor allem Aufsichtsratsvorsitzender Oguzhan Can. 140.000 Euro waren durch seltsame Aktionen (Eintrittskarten zu Pressekonferenzen für 75 Euro, eine Teilnahme am Training für 100 Euro, Namenspatenschaft fürs Stadion für 20.000 Euro) und nicht zuletzt ein Crowdfunding zusammengekommen. Reichte aber nicht. Can wird die nicht genannte Restsumme (es braucht keinen Adam Riese, um sie zu berechnen) gerade noch rechtzeitig in den Topf geworfen haben. Praktisch in letzter Minute, wie es so schön heißt.

Leroy Sané ist übrigens der Sohn von Souleymane Sané, ebenfalls Exspieler von Wattenscheid. Zwei Siege über den FC Bayern stehen bei den Bochumern zu Buche, errungen in den goldenen Achtzigern, auch die Altintops haben ihre Karriere bei den Schwarz-Weißen im Pott begonnen. Dass weder Sané noch andere Klubikonen Kohle lockermachen wollten und Can letztendlich selbst einspringen musste, machte letzteren »traurig«.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Ein großer Sponsor ist bisher noch nicht aufgetaucht. Der Untergang ist vermutlich nicht abgewendet, sondern nur aufgeschoben. Wie soll der Klub denn auch in die schwarzen Zahlen kommen? Die Regionalliga ist weitgehend ein Verlustgeschäft, die Region ist eh in der Krise, da hilft keine Tradition, auch keine benachbarte.

Aber auch Vereine wie Fortuna Köln oder der KFC Uerdingen mussten den bitteren Weg der Insolvenz gehen, bis sie von findigen Geldgebern wiederentdeckt wurden. Jetzt spielen sie in der 3. Liga. Auch kein leichtes Los.

Leroy Sané wird das alles eher wumpe sein. Vom Status eines Cristiano Ronaldo, der in all seiner Hybris auch die Stationen seiner Kindheit mit Geld so zuschüttet, dass überall auf seiner Heimatinsel Madeira Statuen von ihm aufgestellt worden sind, ist der Wahl-Mancunian noch weit entfernt. Außerdem zählt der Portugiese auch nicht unbedingt zu den Vorbildern des gebürtigen Esseners, der, nebenbei bemerkt, schon im Alter von neun Jahren von Wattenscheid zum FC Schalke 04 gewechselt ist. Sané ist nämlich Fan von Lionel Messi.

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