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Aus: Ausgabe vom 16.01.2019, Seite 10 / Feuilleton

Thalbach, Kückelmann, Kaufmann

Von Jegor Jublimov
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Ernsthaft, Quatsch und Opernregisseurin: Katharina Thalbach

Katharina Thalbach lässt sich nicht festlegen. Sie ist eine ernsthafte Schauspielerin, die gern Quatsch macht, und ein Film- und Fernsehstar, der Erfolge als Opernregisseurin hat. Kirchlich erzogen, bat sie die Mutter erfolgreich, Pionier werden zu dürfen, trat später aber nicht in die FDJ ein – was sie nicht daran hinderte, im Fernsehmehrteiler »Dolles Familienalbum« zum 20. Jahrestag der DDR eine FDJlerin zu spielen. Ihrer früh verstorbenen Mutter Sabine Thalbach hat sie das Talent und auch die erste Filmrolle (mit vier) zu verdanken, ihrem Vater Benno Besson einen ersten Auftritt am Deutschen Theater 1966, ihrer mütterlichen Freundin Helene Weigel die ersten Theaterrollen in Brecht-Stücken. Nachdem sie bei der DEFA (u. a. mit »Es ist eine alte Geschichte«, 1972, »Die Leiden des jungen Werthers«, 1976) eine vielversprechende Laufbahn begonnen hatte, folgte sie ihrem zur Unperson gewordenen Lebensgefährten Thomas Brasch in den Westen, der hier eine kurze Regiekarriere begann und Thalbach in seinen Filmen, so »Domino«, 1982, große Rollen gab. Sie spielte in Köln und Zürich Theater, besonders viel aber im Westberliner Schillertheater, wo sie 1992 unter Vater Bessons Regie in der Hauptrolle in Coline Serreaus »Hase Hase« brillierte. An diesen Erfolg will sie nun zu ihrem 65. Geburtstag anknüpfen, den sie am Sonnabend begeht. Ihr Nachwuchs und die ganze schauspielernde Familie wird im mittlerweile von den Kurfürstendammbühnen bespielten Schillertheater dabeisein.

Am Donnerstag vor 40 Jahren starb mit Gertrud Kückelmann eine Schauspielerin, die in den 50er Jahren ein Kinoliebling (»Reich mir die Hand, mein Leben«, 1955), in den 60ern ein bekanntes Bildschirmgesicht (»Der kleine Lord«, 1962) und in den 70ern eine renommierte Bühnendarstellerin gewesen war. So spielte sie 1976 am Münchner Residenztheater in Ibsens »Baumeister Solness« neben Peter Pasetti, mit dem sie 1957 im DEFA-Film »Spielbankaffäre« aufgetreten war. Nur zwei Wochen nach ihrem 50. Geburtstag stürzte sich die Schwester des Filmregisseurs Norbert Kückelmann (»Morgen in Alabama«, 1984) in München nach einer deprimierenden Krebsdiagnose aus einem Fenster.

Auch wenn wir unterschiedlich aussehen und ich Jahrzehnte später geboren bin, fühlte ich mich im Frühjahr geehrt, als ich an einer Theaterkasse mit Walter Kaufmann verwechselt wurde. Während ich für die jW kam, berichtete Kaufmann fürs ND. Dabei freut man sich über die ungebrochene Aktivität des deutsch-australischen Sozialisten, der von den Nazis aus seiner Heimatstadt Berlin vertrieben worden war und sich nach abenteuerlichen Jahren auf den Weltmeeren 1957 als Schriftsteller in der DDR niederließ. Seinen 95. Geburtstag wird er am Sonnabend vermutlich mit seiner Tochter Deborah Kaufmann feiern, wenn die nicht gerade irgendwo vor der Kamera steht.

In der kommenden Wochenendausgabe: die erste Short Story und die erste Reportage Walter Kaufmanns

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