Aus: Ausgabe vom 14.01.2019, Seite 5 / Inland

Schnelles Internet »5G an jedem Milchtank«

Bauernverband verlangt flächendeckendes Internet und weniger Bürokratie

Digitalisierung_in_d_59959674.jpg
Online sein: GPS-gesteuerter Traktor einer Agrargesellschaft aus Sachsen

Der Bauernverband dringt auf einen flächendeckenden Ausbau des »schnellen Internets« bis in die Dörfer. »Wir brauchen 5G an jedem Milchtank«, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf den künftigen Mobilfunkstandard. »Dadurch können wir noch nachhaltiger auf dem Feld wirtschaften, präziser Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ausbringen.« Auch in Ställen sei mehr Tierwohl möglich, wenn Herden elektronisch gemanagt werden und man Informationen zum Befinden einzelner Kühe bekommt.

Die Digitalisierung ist auch ein großes Thema der Agrarmesse »Grüne Woche«, die am kommenden Freitag (18. Januar) in Berlin beginnt. Im Frühjahr sollen Frequenzen für den deutlich schnelleren neuen Standard 5G versteigert werden. Die Vergaberegeln sehen vor, dass 98 Prozent aller Haushalte bis Ende 2022 damit versorgt werden sollen. Kritiker warnen, dass dies für eine vollständige Flächendeckung vor allem im ländlichen Raum nicht ausreiche.

Kritisiert wurde im vergangenen Jahr auch, dass viele Betriebe von Hilfsmaßnahmen des Bund- und Länder-Programms für von der langen Trockenheit in Not geratene Landwirte durch bürokratische Hürden ausgeschlossen seien. Die Folgen der Dürre 2018 wirken bei Landwirten vor allem im Norden und Osten nach. Große Preissprünge für Verbraucher wegen der schlechteren Ernte sind aber nicht zu erwarten, machte Rukwied deutlich. »Man kann von stabilen Preisen ausgehen.« Wetterbedingt gebe es mal kurze Ausschläge nach oben oder unten. »Aber Lebensmittel in Deutschland sind nach wie vor unschlagbar günstig.« Die Bundesbürger gäben im Schnitt rund zehn Prozent des Einkommens dafür aus.

Die mehr als 8.500 Hilfsanträge von Landwirten seien in der Bearbeitungsphase. Bund und Länder stellen dafür bis zu 340 Millionen Euro bereit. »Festzuhalten ist: Der Großteil des Schadens von rund 2,5 Milliarden Euro bleibt an der Landwirtschaft hängen und wird die betroffenen Betriebe die nächsten Jahre belasten«. Die Bauern hofften jetzt, »dass wir Winterfeuchtigkeit bekommen und die Böden wieder gut aufgefüllt werden«, so der Verbandschef.

Auch die Subventionen bleiben fest im Blick der Lobby: Rukwied verlangt Klarheit über die EU-Agrarfinanzierung für die Zeit nach 2020 an. »Es ist sicherlich ambitioniert, aber die Entscheidung über das künftige Budget sollte noch vor der Europawahl fallen.« Die findet in Deutschland am 26. Mai statt. »Wir brauchen Signale für Europa (gemeint die EU) und die Europäer (EU-Bürger), dass die EU entscheidungsfähig ist.«

Wie nahezu alle Branchen blicken auch Landwirte besorgt auf den »Brexit«. »Da steht viel auf dem Spiel«, sagte Rukwied und verwies auf einen Exportüberschuss mit Agrarprodukten und Lebensmitteln im Handel mit Großbritannien von etwa 3,5 Milliarden Euro im Jahr.

Und natürlich hat alles seinen Preis. Mit Blick auf das von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geplante Tierwohlkennzeichen für Fleisch im Supermarkt betonte Rukwied: »Mehr Tierwohl heißt am Ende höhere Kosten im Stall.« Das müsse sich dann auch in einem höheren Preis widerspiegeln. (dpa/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Inland