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Aus: Ausgabe vom 14.01.2019, Seite 2 / Ausland
Abdullah Öcalan

Lebenszeichen von Öcalan

Erster Besuch bei inhaftiertem PKK-Vorsitzenden nach zweieinhalb Jahren
Von Nick Brauns
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Demonstrierende halten ein Bild des PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan hoch (Brüssel, November 2016)

Nach rund zweieinhalb Jahren Totalisolation durfte Abdullah Öcalan, Gründungsmitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und seit 1999 auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer inhaftiert, am Samstag seinen Bruder Mehmet zu einem Besuch empfangen. Es gehe dem fast 70jährigen, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, gesundheitlich gut, erklärte die Kovorsitzende der linken Demokratischen Partei der Völker (HDP), Pervin Buldan, im Anschluss über den Kurznachrichtendienst Twitter. Über die politische Lage sei bei dem Treffen nicht gesprochen worden, hieß es weiter aus der HDP.

Weder Anwälte noch Verwandte oder Abgeordnete hatten Öcalan seit dem letzten Besuch seines Bruders im September 2016, der in Folge eines Hungerstreiks von PKK-Gefangenen durchgesetzt werden konnte, sehen dürfen. Diesmal wurde der Besuch Mehmets von der Regierung erst genehmigt, nachdem die selbst in Untersuchungshaft sitzende HDP-Abgeordnete Leyla Güven vor 66 Tagen in einen unbefristeten Hungerstreik getreten war. Sie forderte, die Isolation Öcalans aufzuheben. In den vergangenen Wochen haben sich Hunderte eingesperrte PKK-Mitglieder Güven angeschlossen. Der Gesundheitszustand der HDP-Abgeordneten hatte sich zuletzt laut ihrer Partei dramatisch verschlechtert. Ob sie ihr Todesfasten abbricht, war bis Sonntag früh noch nicht bekannt.

In Kobani und anderen Städten Nordsyriens kam es in der Nacht zum Sonntag zu spontanen Feiern mit Freudenfeuern, Autokorsos und Schüssen in die Luft. Öcalan wird in der nordsyrischen Selbstverwaltungsregion, die derzeit von der Türkei mit einem Militäreinmarsch bedroht wird, als Vordenker der »Rojava-Revolution« verehrt.

In Paris gingen am Samstag Tausende Kurden aus ganz Europa anlässlich des sechsten Todestages der dort 2013 von einem türkischen Faschisten ermordeten PKK-Mitbegründerin Sakine Cansiz und zwei weiterer kurdischer Revolutionärinnen auf die Straße. Sie forderten eine vollständige Aufklärung des Verbrechens. Das Verfahren war eingestellt worden, nachdem der Mörder Ömer Güney kurz vor Prozessbeginn Ende 2016 in Untersuchungshaft verstarb, obwohl selbst die Anklageschrift von einer Täterschaft des türkischen Geheimdienstes ausging.

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