Gegründet 1947 Mittwoch, 20. März 2019, Nr. 67
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.01.2019, Seite 1 / Titel
Erinnerung an KPD-Mitbegründer

Rot, Schwarz, Neongelb

100 Jahre danach: Gedenken an ermordete Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit aktuellen Bezügen in Berlin
Von Claudia Wangerin
S 01.jpg
Niemand ist vergessen: Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am Sonntag in Berlin

Ein Jahrhundert nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind am Sonntag in Berlin Tausende Menschen vom Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gezogen.

Zwischen roten Fahnen mit Logos kommunistischer Gruppen und der Partei Die Linke waren auf der diesjährigen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration auch zahlreiche neongelbe Westen zu sehen. Wie üblich verbanden die Teilnehmer aktuelle politische Statements und Forderungen mit dem Gedenken an die beiden Revolutionäre und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die am 15. Januar 1919 von Offizieren des alten kaiserlichen Heeres ermordet worden waren, nachdem die damalige SPD-Führung diesen freie Hand gelassen hatte. Auf dem Fronttransparent der »LL-Demo« wurde neben Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auch der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin genannt: »Niemand ist vergessen – Aufstehen und widersetzen.«

RUBY_LLDemo34 Kopie.jpg
Gelbe Westen und ein Meer von roten Blumen am Sonntag an der Gedenkstätte der Sozialisten

Einige trugen die zum Symbol der aktuellen kämpferischen Sozialproteste in Frankreich gewordenen »Gelbwesten« in universell-kommunistischer Variante – mit Hammer und Sichel bedruckt. »Streik! Rätemacht! Frauenkampf!« hieß es auf einem weiteren Transparent. Vielfach war auch das von mehreren Gruppen verwendete Logo der Antifaschistischen Aktion mit roter und schwarzer Fahne zu sehen. Ein antifaschistisch-internationalistischer Block bezog sich in Slogans und Reden vor allem auf die Rätemodelle im syrisch-kurdischen Selbstverwaltungsgebiet Rojava und im mexikanischen Chiapas. Davon inspiriert, warb die Berliner »Kiezkommune« für Selbstorganisierung im Stadtteil.

»Rosa, Karl, Wladimir – für unsere Zukunft kämpfen wir«, sang eine Straßenrockband kurz vor dem Ziel am Rand der Demonstration. An der Gedenkstätte der Sozialisten bildeten sich Schlangen von Menschen, die gekommen waren, um Blumen niederzulegen – vor allem rote Nelken.

RUBY_LLDemo27.jpg
Facettenreich: Mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht identifizieren sich verschiedenste sozialistische und kommunistische Gruppen

Die Organisatoren sprachen im Anschluss von mehr als 15.000 Teilnehmern. Zu vereinzelten Festnahmen mit bislang unklarem Hintergrund kam es nach Informationen dieser Zeitung am U-Bahnhof Lichtenberg, wo zahlreiche Demonstranten schon den Heimweg antreten wollten.

Am Dienstag, dem eigentlichen Todestag von Luxemburg und Liebknecht, soll ihrer noch einmal um 18 Uhr am Olof-Palme-Platz in Berlin-Tiergarten gedacht werden.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Günter Pelzl, Hennigsdorf: Linke Obrigkeit Noch nie ist mir die Differenz zwischen Oben und Unten so aufgefallen wie an diesem Sonntag auf der Demonstration zu Ehren Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts. Hundert Jahre nach ihrer Ermordung, hun...
  • Patrick Büttner: »Schmerzlicher Vorgang« Die Sozialdemokratie tritt nach. Wolfgang Thierse vertritt nämlich die Ansicht, dass der Mord zum Wohle der Mehrheit geschah und lediglich als Stellvertretermord zu sehen ist: »LVZ: Hat die Sozialdem...
  • Ralph Dobrawa, Gotha: Mord ohne Sühne Der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch rechte Freikorps vor 100 Jahren blieb ungesühnt, obgleich ihre Mörder namentlich bekannt waren. Zehn Jahre nach der Tat kam heraus, dass ein inzwis...
  • alle Leserbriefe

Ähnliche:

  • Plakat aus dem Jahr 1919
    29.12.2018

    Gegen Krieg und Faschismus

    Die KPD wurden von Revolutionären gegründet, die zum Teil seit langem gegen imperialistische Kriege gekämpft hatte. Das ist aktuell geblieben. Eine Chronik

Regio: