Aus: Ausgabe vom 12.01.2019, Seite 4 / Inland

Imageproblem für die Post

Widerstand gegen Preispolitik und Gefährdung der Pressevielfalt wächst

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Auslieferungsfahrzeuge in Köln (Oktober 2018)

Vom Verlagsleiter der Schweizer Hotellerie Gastronomie Zeitung bis zum Netzwerk Cuba Informationsbüro e. V. – die Deutsche Post AG erreichten in den vergangenen Wochen Protestschreiben unterschiedlicher Absender gegen ihre jüngsten Preiserhöhungen und die damit verbundene Gefährdung der Pressevielfalt. Wie hier bereits mehrfach berichtet, verlangt das Unternehmen seit Anfang Januar für die Auslieferung der jungen Welt 28,5 Prozent mehr. Dass die allgemeine Preissteigerung diese Zeitung besonders hart trifft, liegt an der Zusammenfassung der unteren Gewichtsklassen für auszuliefernde Printmedien. Mit werktags 56 Gramm ist sie die leichteste Tageszeitung der BRD. Mitgeteilt wurde die Preiserhöhung dem Verlag, auf den rund 90.000 Euro Mehrkosten pro Jahr zukommen, erst Mitte November 2018. Anderslautende Absprachen zählten nicht mehr. Die Existenz dieses Mediums kann das mittelfristig gefährden.

»Die Berichterstattung jener Zeitung über internationale Ereignisse und insbesondere über Cuba und andere lateinameri­kanische Länder ist von hoher Qualität, und wäre ein nicht wiedergutzumachender Verlust für die Medienlandschaft in Deutschland«, schrieb Edgar Göll vom Vorstand des Netzwerks Cuba in einem Protestbrief. Der Deutschen Post AG ist das Imageproblem solcher Maßnahmen durchaus bewusst, wie aus der beschwichtigenden Antwort hervorgeht: »Wir versichern Ihnen, dass wir – ebenso wie Sie – die Pressevielfalt und Pressefreiheit außerordentlich schätzen«, heißt es in dem Schreiben der Konzerleitung vom 27. Dezember, dass junge Welt vorliegt. Die »notwendigen Preisanpassungen dienen aber der Sicherung unseres qualitativ hochwertigen Pressepostnetzes«, daher werde um Verständnis gebeten.

Der Vorstand der Verdi-Betriebsgruppe der Verlag 8. Mai GmbH, in der die junge Welt erscheint, hatte sich am Mittwoch in einem offenen Brief an die in Verdi organisierten Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Post AG gewandt und um Unterstützung gebeten. (jW)


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