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Aus: Ausgabe vom 31.12.2018, Seite 16 / Sport
Fußball

»Das ist Rassismus«

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Neapel-Fans solidarisieren sich mit Kalidou Koulibaly (29.12.2018)

Rom. Die italienische Regierung sieht nach dem schwarzen Mittwoch in der Serie A keinen Handlungsbedarf. Am zweiten Weihnachtstag war der Verlauf des Spitzenspiels zwischen Inter Mailand und dem SSC Neapel (1:0) von rassistischen Schmähungen beeinflusst worden: Entnervt von den nicht abreißenden Beleidigungen hatte Neapel-Verteidiger Kalidou Koulibaly sich zu einer Unsportlichkeit hinreißen lassen und war vom Platz gestellt worden, bevor das Gegentor fiel. Anschließend kam es vor dem Giuseppe-Meazza-Stadion zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen, bei denen ein Mann starb.

Innenministers Matteo Salvini (Lega) hält nichts davon, deshalb jetzt Gästeblöcke oder ganze Stadien zu schließen. »Man kann nicht pauschal alle Tifosi bestrafen, denn die Gewalttätigen sind eine Minderheit«, zitierte Gazzetta dello Sport am Sonntag aus einem Schreiben des Ministers. »Mein Ziel ist, dass die Tribünen voll mit Familien mit Kindern sind.«

Viel Verständnis hat Salvini für die Entscheidung des Schiedsrichters, das Match trotz des rassistischen Lärms nicht abzubrechen. Ein Spielabbruch hätte für die öffentliche Sicherheit »risikoreich« werden können, raunte der Innenminister. Sie wäre das einzig richtige gewesen, widersprach Kevin-Prince Boateng, der derzeit beim Serie-A-Klub Sassuolo Calcio unter Vertrag steht. »Jeder hat begriffen, dass es sich um Rassismus handelte«, sagte der frühere Bundesligaprofi im Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera (Samstagausgabe). Die Partie abzubrechen, »wäre auch für die Millionen, die das Spiel im Fernsehen gesehen haben, richtig gewesen«.

Boateng hatte Anfang 2013 als Profi des AC Mailand bei einem Testspiel gegen den Klub Pro Patria im lombardischen Busto Arsizio wegen rassistischer Fans in der 26. Spielminute den Platz verlassen. »Ich wurde damals von circa 50 Fans beleidigt, im Giuseppe-Meazza-Stadion waren es 10.000 (die Koulibaly beleidigten, jW). Das ist Rassismus. Für manche sind dunkelhäutige Menschen Affen«, sagte der ehemalige ghanaische Nationalspieler aus Berlin-Wedding. »Auch die Lage in Deutschland ist nicht viel anders.« (sid/jW)

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