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Aus: Ausgabe vom 31.12.2018, Seite 2 / Ausland
Syrien/Russland/Rürkei

Klärung der Differenzen

Treffen von Russland und Türkei wegen Koordination des Vorgehens in Syrien
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Der russische Außenminister Sergej Lawrow (l-r), sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu, sowie der russische Verteidigunsminister Sergej Schoigu und sein Amtskollege Hulusi Akar (Moskau, 29.12.)

Angesichts des geplanten Abzugs von US-Truppen aus Syrien wollen Russland und die Türkei ein Vorgehen in dem Land besser koordinieren. »Unter diesen neuen Bedingungen wollen wir an Land verstärkt zusammenarbeiten und so endgültig die terroristische Bedrohung bekämpfen«, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag nach einem Treffen mit der türkischen Delegation in Moskau der russischen Agentur TASS zufolge.

Laut seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu soll auch der Iran in die Abstimmung einbezogen werden. Bei dem Treffen wurde zudem diskutiert, wie die Rückkehr der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat vorangetrieben werden könne, so Cavusoglu. Die Zusammenarbeit mit Moskau und Teheran ziele darauf ab, eine »politische Einigung« der Konfliktparteien in Syrien zu »beschleunigen«. Russland und die Türkei hätten den gemeinsamen Willen, Syrien von »allen Terrororganisationen zu säubern«.

Dem Treffen waren Differenzen zwischen Moskau und Ankara über den Einmarsch syrischer Regierungstruppen in Teile der Region Manbidsch nahe der türkischen Grenze vorausgegangen. Kurdische Milizen hatten die Regierung in Damaskus aus Furcht vor einer türkischen Offensive nach dem geplanten Abzug der US-Truppen um Hilfe gebeten. Während die Türkei den Schritt der Regierung in Damaskus verurteilte, lobte Russland die »positive« Entscheidung seines syrischen Verbündeten. Das russisch-türkische Treffen dürfte auf die Klärung dieser Differenzen abgezielt haben.

Bei der nach Angaben der türkischen Agentur Anadolu 90 Minuten dauernden Zusammenkunft waren auch der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar und dessen russischer Kollege Sergej Schoigu anwesend. Dabei soll auch ein mögliches Treffen des russischen Staatschefs Wladimir Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im kommenden Jahr Thema gewesen sein.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hatten Manbidsch 2016 erobert und damals die Kämpfer der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) aus der Stadt vertrieben. Die YPG-Präsenz in der Stadt westlich des Euphrat war der Türkei von Beginn an ein Dorn im Auge, da sie ein durchgängiges kurdisches Gebiet an ihrer Südgrenze verhindern will. (AFP/dpa/jW)

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