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Aus: Ausgabe vom 22.12.2018, Seite 1 / Titel
Rücktritt von US-Kriegsminister

Trump zieht Mattis ab

US-Präsident will auch Truppen aus Afghanistan zurückholen. Sein Verteidigungsminister reicht daraufhin Rücktritt ein
Von Knut Mellenthin
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Überfall auf Afghanistan: James Mattis – damals als Brigadegeneral – am Flughafen von Kandahar (14.12.2001)

Donald Trump spielt in diesen Tagen großes Theater: Nachdem er am Mittwoch die Absicht verkündet hatte, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, ließ er am Donnerstag Gerüchte streuen, dass die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan halbiert werden solle. Am selben Tag ergänzte der Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis die Dramaturgie. Der 68jährige General im Ruhestand der Marineinfanterie ist neben Vizepräsident Michael Pence vermutlich der einzige bedeutende Politiker, der seit dem Amtsantritt von Trump im Januar 2017 zu dessen Team gehörte – wenn man von den Verwandten des Präsidenten absieht. Mattis steht für eine starke militärische Präsenz an geostrategischen Brennpunkten und für die Behandlung Russlands und Chinas als Hauptfeinden der USA.

Zwischen den in dieser Woche angekündigten Maßnahmen gibt es gewichtige Unterschiede. Der Abzug der ungefähr 2.000 US-Soldaten aus Syrien ist offenbar definitiv und soll demnächst beginnen. Damit ist freilich noch nichts darüber gesagt, wann der Vorgang abgeschlossen sein soll. Dass die USA zugleich auch ihre Luftangriffe auf Ziele in Syrien einstellen wollen, denen als »Kollateralschaden« bisher Hunderte oder Tausende Zivilisten zum Opfer fielen, stützt sich bisher nur auf anonyme Militärquellen. Seit 2015 wurden mehr als 100.000 Bomben und Raketen der US-Luftwaffe gegen Syrien und den benachbarten Irak eingesetzt.

Für die angeblich beabsichtigte Verringerung der Truppenzahl in Afghanistan von 14.000 auf 7.000 Mann gibt es bisher keine offizielle Bestätigung, geschweige denn einen noch so locker formulierten Zeitplan. Nicht auszuschließen ist, dass es sich vorläufig nur um ein politisches Signal an die Taliban handelt. Die USA stehen über ihren in Afghanistan geborenen und aufgewachsenen Sondergesandten Zalmay Khalilzad in intensiven Verhandlungen mit den Aufständischen, die über große Teile des Landes herrschen.

Die letzte Gesprächsrunde zwischen Khalilzad und den Taliban fand vor wenigen Tagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Neben diesen waren auch Saudi-Arabien und Pakistan vertreten. Die letzten drei Staaten hatten noch diplomatische Beziehungen zum »Emirat« der Fundamentalisten unterhalten, als die USA dort Anfang Oktober 2001 militärisch aktiv geworden waren.

Die Taliban verweigern die Aufnahme von Gesprächen mit der Regierung in Kabul, solange sich ausländische Truppen im Land befinden. Bei den dreitägigen Verhandlungen in Abu Dhabi kam angeblich von arabischer Seite der Vorschlag einer drei Monate währenden Waffenruhe, die dazu dienen soll, direkte Kontakte zwischen den Taliban und Kabul anzubahnen. Eine nicht allzu verbindlich formulierte Bereitschaftserklärung der USA zu einem Rückzug ihrer Truppen könnte diesen Plan vermutlich erleichtern.

Von beiden Parteien des US-Kongresses und von den europäischen Verbündeten wurden Trumps anscheinend überraschend und unkoordiniert angekündigte Rückzugspläne mit Erschrecken und Empörung kommentiert. Frankreich will an der Stationierung von ungefähr 1.000 Soldaten im Irak und in Syrien festhalten. Gelassen gab sich hingegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu: Er werde die Angriffe gegen »iranische Stellungen« in Syrien nicht nur fortsetzen, sondern ausweiten lassen. Er sei sich dabei der Unterstützung durch die USA absolut sicher.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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