Aus: Ausgabe vom 13.12.2018, Seite 16 / Sport

Drei Männer sind ein Sieger

40 Jahre Berliner »Sportler des Jahres«

Von Klaus Weise
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Boris Becker war nicht nur Deutschlands (hier 1986), sondern auch einmal Berliner Sportler des Jahres

Berlin feiert sich gerne als Deutschlands Sportstadt Nummer 1. Nirgendwo sonst ist die Dichte an erstklassigen Klubs so hoch, nirgendwo anders dürfen so viele nationale Titel bejubelt werden. Seit der Premiere der »Sportler des Jahres«-Wahl im Jahr 1979 (damals nur für Männer) im Westteil der Stadt gab es lange keinen Mangel an individuellen Topathleten, nach der »Wiedervereinigung« erst recht nicht. Das freilich hat sich mittlerweile geändert. Herausragende Sportler wie Boris Becker (der war 1985, weil Klubmitglied beim LTTC Rot-Weiß, mal Berliner »Sportler des Jahres«), Franziska van Almsick (erstmals 1992 gekürt, dann noch dreimal), Andreas Wecker (1993 bis 1996), Claudia Pechstein (achtmal zwischen 1998 und 2017), Britta Steffen (2007 bis 2010) oder Robert Harting (2011 bis 2014) sind inzwischen eher die Ausnahme. Aber viele sehr gute auf relativ breiter Front, die gibt es noch.

Und anders, als es die mediale Festlegung auf sogenannte Pu­blikumssportarten mit den in der »Initiative Berliner Proficlubs« vereinten Großklubs Hertha, Union, Füchse, Volleys (Trainer des Jahres: Stelian Moculescu), Eisbären und Alba (Mannschaft des Jahres, obwohl sie auch dieses Jahr ohne Titel blieben) suggeriert, überzeugt Berlin vor allem als »bunte Hauptstadt« des Sports. Das wird auch bei den Voten in den einzelnen Sparten deutlich. So hieß das Ranking bei den Männersportarten überraschend Eishockey, Kanu, Para-Leichtathletik, Radsport, Wasserspringen. Bei den Frauen gewann Bogenschießen (durch die schon 2016 erfolgreiche Lisa Unruh) vor Para-Schwimmen (Elena Krawzow) und Leichtathletik, Eisschnellaufen (die unverwüstliche Claudia Pechstein), Modernen Fünfkampf und BMX Freestyle. Rankings, die an anderen Orten nur schwer vorstellbar sind.

Auch, dass in der Männer-Wertung die drei Helden des EHC Eisbären, nämlich Jonas Müller, Frank Hördler und Marcel Noebels, am Sonnabend bei der Gala im Estrel Hotel im südlichen Teil Neuköllns als »Sportler des Jahres« geehrt wurden, weil sie Teil des Sensationsolympiazweiten von Pyeongchang waren, ist etwas Besonderes. Die in der Pressemitteilung der veranstaltenden TOP Sportmarketing Berlin GmbH genannten »Zahlen, Daten, Fakten« der Gala sind es eher nicht: 2.000 Gäste, 150 kg Putenbrust, 200 kg Kassler-Lachs, 170 kg Schupfnudeln, 400 kg Gemüse, 100 kg Apfelstrudel.


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