Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Kritiker des US-Imperialismus: Noam Chomsky im Gespräch

Von Simon Zeise
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Noam Chomsky während eines Vortrags in Karlsruhe (30.5.2014)

Der für sein Engagement gegen den Drohnenkrieg der USA bekanntgewordene Journalist Emran Feroz hat Noam Chomsky an seinem Wohnsitz in Tucson/Arizona aufgesucht. Die beiden diskutieren über »Imperialismus, Krieg und Fluchtursachen, Donald Trump und die ›freie Welt‹« sowie über die Bedeutung von »Gott, Religion und Staat«.

Chomsky hebt hervor, dass die herrschende Klasse in den Vereinigten Staaten zur Sicherung ihrer Macht eigene Begriffe definiert: »Wir hatten mal ein Kriegsministerium in den USA. Das war noch im vororwellianischen Zeitalter. 1947 wurde das Kriegsministerium umbenannt. Es wurde plötzlich zum Verteidigungsministerium.« Der erste US-amerikanische Kriegsminister, Henry Knox, habe beschrieben, wie die Regierungen die »Auslöschung der indigenen Bevölkerung durchführten und dabei Mittel benutzten, die sogar extremer und brutaler waren als jene der Eroberer in Südamerika. Später wurde das Ganze dann verschönert. Es schien dann so, als ob die indigenen Völker einfach irgendwie verschwunden sind.« Es sei ein Fakt, so Chomsky, »dass wir uns im indigenen Amerika befinden, aus dem Mexiko wurde. Ich denke, es ist legitim, vom ›besetzten Mexiko‹ zu sprechen.«

Chomsky schildert den Aufstieg des US-Imperialismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Strategie sei es gewesen – Chomsky zitiert aus offiziellen Regierungsdokumenten: »›radikale und nationalistische Regime‹ zu unterdrücken. Insbesondere jene, die auf den Druck der Bevölkerung reagieren, um ›sofortige Verbesserungen des niedrigen Lebensstandards‹ der Massen zu schaffen und die ›der Notwendigkeit eines politischen und wirtschaftlichen Klimas für private Investitionen mit angemessener Rückführung von Gewinnen‹ widersprechen.« Chomsky erinnert an die Worte von George Kennan, eine der führenden Figuren der frühen Nachkriegsplanung, der 1948 erklärt habe: »Wir sollten aufhören, über vage und unrealistische Ziele wie die Menschenrechte, die Anhebung des Lebensstandards und die Demokratisierung zu sprechen.« Nur dadurch bleibe der enorme Reichtum der USA, der das Land von der Armut anderer trennt, erhalten.


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