Aus: Ausgabe vom 10.12.2018, Seite 16 / Sport

Das Maß aller Dinge

Julia Taubitz’ erster Weltcupsieg festigt Vormachtstellung deutscher Rodlerinnen

Von Jens Walter
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»Geschrien wie eine Bekloppte«: Julia Taubitz auf dem Weg zu ihrem ersten Weltcup-Sieg (Calgary, 8.12.)

Der nächste Stern am deutschen Rodelhimmel konnte es selbst nicht so richtig fassen. Julia Taubitz stieg mit großen Augen von ihrem Schlitten, auf der schwierigen Bahn in Calgary war sie soeben zum ersten Weltcupsieg ihrer Karriere gerast – und hatte dabei mal eben Olympiasiegerin Natalie Geisenberger hinter sich gelassen (+0,104 Sekunden).

»Als ich die Eins gesehen habe, habe ich geschrien wie eine Bekloppte«, sagte die Nachwuchshoffnung des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) grinsend, »ich habe das nicht erwartet, nicht mal, als ich unten ins Ziel kam.« Zufall war der Sieg der 22jährigen allerdings nicht, mit drei zweiten Plätzen hatte sie in den vergangenen Wochen schon Anlauf genommen. Am Sonntag machte sie dann in Kanada klar: Sie ist die nächste deutsche Weltklasserodlerin.

Die Leistungsfähigkeit der Frauen steht damit weiter in deutlichem Gegensatz zu der ihrer männlichen Teamkollegen um Felix Loch, der in Calgary als bester Deutscher nicht über Rang vier hinauskam und sich seit mehr als einem Jahr in einem Leistungstief befindet. Die Frauen haben dagegen Toptalente im Überfluss. So konnte Geisenberger über Jahre eigentlich nur von Dauerrivalin Tatjana Hüfner geschlagen werden – die muss nun langsam ihren zahlreichen Verletzungen und dem Alter Tribut zollen. Doch in Taubitz und der Olympiazweiten Dajana Eitberger sind die nächsten Gegnerinnen schon gefunden.

»Sie hat sich den Sieg verdient«, sagte Geisenberger, die zuvor alle Saisonrennen vor Taubitz gewonnen hatte: »Das ist im Moment ein geiler Zweikampf mit ihr, es macht richtig Spaß. Und es bringt uns beide noch mal weiter.« Die beiden deutschen Damen sind bisher das Maß aller Dinge. In den vier Weltcup-Rennen bescherten sie dem BSD jeweils einen Doppelerfolg. Damit führen Geisenberger mit 385 Punkten und Taubitz (355) auch den Gesamtweltcup an.

Bei den Männern hingegen steht und fällt alles mit den Leistungen von Loch. Der zweimalige Einzel-Olympiasieger lag nach einem missratenen ersten Lauf noch auf dem 13. Platz und kämpfte sich immerhin auf Rang vier vor, muss nach der dritten Station des Winters aber weiter auf seinen ersten Sieg hoffen. »Der erste war total verkorkst, da hat gar nichts gepasst. Im zweiten Lauf hat man gesehen, was möglich gewesen wäre«, sagte er. Der Rest des Teams tat sich noch schwerer. Der Olympiadritte Johannes Ludwig belegte als zweitbester Deutscher den sechsten Platz.

Bei den Doppelsitzern feierten die Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt ihren ersten Saisonerfolg. Das Duo aus Bayern setzte sich vor den Dauerrivalen Toni Eggert/Sascha Benecken durch. Die abschließende Teamstaffel brachte einen deutschen Sieg vor den USA.


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