Aus: Ausgabe vom 08.12.2018, Seite 5 / Inland

Lufthansa will Geld zurück

Fluggesellschaft fordert Rückzahlung von Gehältern für freigestellte Mitglieder des Berufsverbands UFO

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Lufthansa meint, ungerechtfertigterweise Löhne gezahlt zu haben. UFO hält das für einen Angriff auf die Flugbegleiter und ihre Interessenvertreter

Zwischen der Lufthansa (LH) und der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO) ist Streit über die Bezahlung führender Funktionäre entbrannt. Der Dax-Konzern fordert von dem Berufsverband wie auch von den Betroffenen persönlich insgesamt mehr als 800.000 Euro zurück, die in den vergangenen vier Jahren als Gehalt gezahlt wurden. Die Angestellten hätten keine Flugstunden geleistet, ihre Freistellung sei jedoch nicht beantragt worden, teilte Lufthansa am Freitag mit.

Im Nachgang zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Flugbegleitergewerkschaft seien Details zur Vergütung einzelner Funktionäre publik geworden. Aus diesem Anlass habe Lufthansa die Gehaltszahlungen an die betreffenden Beschäftigten der Flugbegleitergewerkschaft überprüft.

Der UFO-Chef Nicoley Baublies wies die Forderung in einer Videobotschaft als »abstrus und juristisch nicht haltbar« zurück. Der Flugbegleiterorganisation zufolge beziehe sich Lufthansa auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2013. Darin wurde ausgemacht, dass auch Freistellungen gewährt werden, die nicht für die Tarifarbeit bei Lufthansa vorgesehen sind. Wenn also ein UFO-Mitarbeiter, der bei LH arbeitet, für Ryanair verhandelt, so müsse UFO diese Kosten tragen. Dies geschehe auch und werde jährlich abgerechnet.

Dem Manteltarifvertrag zufolge sind Beschäftigte für Verhandlungen mit der Lufthansa unter Fortzahlung der Vergütung freizustellen. Das bedeute, so UFO am Freitag, dass die von dem Konzern zitierte Vereinbarung bei Gewerkschaftsarbeit nur außerhalb von Verhandlungen mit Lufthansa zum Tragen komme. Bei den beiden angeschriebenen UFO-Mitarbeitern handle es sich um die Hauptverantwortlichen für die Tarifarbeit der UFO bei Lufthansa, die in den vergangenen Jahren also völlig zu Recht ihre Bezüge von Lufthansa erhalten hätten, ohne dass dafür kostenpflichtige Freistellungen hätten beantragt werden müssen. Laut airliners.de geht es um Zahlungen an Baublies und den Tarifexperten Daniel Flohr.

»Der Vorgang wird unsererseits als durchschaubares Manöver gewertet, UFO und ihre unangenehmen Protagonisten zu diskreditieren«, erklärte Baublies. In seiner Videobotschaft an die Mitglieder warf er dem Unternehmen vor, wegen des Konflikts bereits vereinbarte Spitzengespräche über wichtige Themen wieder abgesagt zu haben. Baublies hatte mit der Gewerkschaft 2015 den ersten und längsten Streik der Flugbegleiter in der Firmengeschichte organisiert und danach einen komplizierten Tarifvertrag ausgehandelt. An dessen letzten Details, heißt es im Spiegel von Freitag, wird bis heute gefeilt.

Außerdem fordere der Lufthansa-Konzern noch einmal knapp 86.700 Euro von UFO für bezahlte Gehälter an Vorstand und Exchef Alexander Behrens. So sei im September 2016 vereinbart worden, dass die Lohnzahlungen inklusive des Freistellungsausgleichs Behrens »in Rechnung gestellt« werden sollen. UFO dementierte auf Anfrage von airliners.de, Kenntnis von einer solchen Vereinbarung zu haben. Behrens habe über seinen Anwalt mitteilen lassen, dass man prüfe, ob und in welcher Ausgestaltung Absprachen bestanden. (dpa/jW)


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