Aus: Ausgabe vom 08.12.2018, Seite 2 / Inland

Max Mustermann rüstet auf

Mehr kleine Waffenscheine in BRD. Ministeriumssprecher erfreut

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Die Zahl erteilter kleiner Waffenscheine nimmt deutlich zu

In der Bundesrepublik gibt es immer mehr sogenannte kleine Waffenscheine. Allein in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres sei die Zahl der Einträge im nationalen Waffenregister um knapp 46.000 auf insgesamt gut 603.000 gestiegen, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag mitteilte. Nach einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter den Innenministerien der Bundesländer wuchs die Zahl innerhalb der letzten vier Jahre sogar um mehr als Doppelte. Der Anstieg sei in allen 16 Bundesländern gleichermaßen festzustellen. Die meisten kleinen Waffenscheine gebe es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern.

Der Besitz des kleinen Waffenscheins berechtigt zum verdeckten Tragen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Das Schießen ist nur im Notfall erlaubt. Für den Kauf dieser Waffen gibt es dagegen bislang keine Auflagen. Eingeführt wurde der Schein im Jahr 2003 nach dem Amoklauf von Erfurt 2002.

Von den neuen Zahlen alarmiert zeigte sich der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Dem RND sagte er: »Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekommen.« Es bestehe die Gefahr, »dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden und ihre Inhaber sich selbst gefährden«. Zugleich proklamierte Radek: »Eine Gesetzesverschärfung hilft uns nicht. Was uns hilft, ist die Einsicht, dass Waffen das Problem nicht lösen.«

Irene Mihalic, innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, betonte gegenüber dem RND das staatliche Gewaltmonopol. »Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit – im Gegenteil: Sie haben das Potential, Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen«, sagte sie.

Den Warnungen verschiedener Seiten setzte der namentlich nicht genannte Sprecher des Innenministeriums seine eigene Sicht der Dinge entgegen. Mit der Erteilung von kleinen Waffenscheinen gehe auch ein Sicherheitsgewinn einher. Begründung: Das Wissen »um den sicheren und richtigen Umgang« mit solchen Waffen »verbreite« sich. Dass mehr solcher Scheine ausgestellt würden, sei daher »durchaus in unserem Sinn«. (AFP/dpa/jW)


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