Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 11 / Feuilleton

Brown eyed Cow: Wahre Tierrechte (54)

Von Wiglaf Droste
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Obwohl die drei sich erst warmspielten, füllte sich die Fläche vor der Bühne schnell mit offenkundig bestens aufgelegten, tanzlustigen Tieren

Unterdessen hatten die Tiere eine Bühne aufgebaut, und unter großem Hurra und Applaus trat die Band ins Rampenlicht. Bela und Rod hatten sich nach der kleinen Rangelei in der Bank dem Pulk der Tiere angeschlossen, telefonisch Instrumente organisiert, sich akut und ad hoc in »Die Tier-Ärzte« umbenannt und eine Riesenüberraschung auf die Beine gestellt: Peta Devlin, die Sängerin der legendären Band »Cow«, war zum gemeinsamen Konzert erschienen. Sie, Bela und Rod spielten im klassischen Trio aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und dreistimmigem Gesang.

Obwohl die drei sich erst warmspielten, füllte sich die Fläche vor der Bühne schnell mit offenkundig bestens aufgelegten, tanzlustigen Tieren, die ihre Beine zucken und ihre Körper wippen ließen. »Schmeißt den Riemen auf die Orgel«, kreischte der Hahn begeistert wie ein Groupie, obwohl gar keine Orgel da war, aber was machte das schon? »Liköre sind fertig«, riefen die Gänse im Chor; sie machten die Bar und priesen lauthals ihre Drinks an: »Milch oder Ei, Spaß ist dabei!«, »Hausgemacht, das geht aufs Haus!« Und »Wer keine Sorgen hat, hat doch Likör!«

»Das heißt nicht Likör, das heißt Lacan!« monierte, sich mächtig aufplusternd, ein rosaroter Ganter, der ebenso halbgebildet wie vollendet eingebildet war; niemand nahm Notiz von seiner Bemerkung, die Tanzbeine wollten geschwungen werden, die Tiere wiegten sich im Takt, es ging heiß her. Die Band hatte den »Redemption Song« beendet, und durch den Jubel der Tiere hörte man Peta Devlins Stimme, die jede und jeden im Saal ausdrücklich bat, ein Lied zu singen. Sie feierte den Kampf der Hofbewohner gegen die Macht der Bank, lobte den phantastischen Eierlikör, die Hennen gackerten geschmeichelt, und Melissa traute sich tatsächlich zu den exzellenten Profis auf die Bühne. »Es gibt zwar kein Klavier und erst recht keinen Flügel hier«, sagte sie, »aber vielleicht könnte ich ja doch ›Brown eyed Girl‹ singen?«

Die drei Musiker sahen sich an, nickten einander zu, und dann spielte Peta Devlin das Intro auf der Gitarre, Rod und Bela stiegen ein, und Melissa zeigte sich von ihrer lebenslustigsten Seite, als sie den Klassiker von Van Morrison anstimmte, den erstaunlich viele Tiere mitsingen konnten, zumindest die »La la la lala la lala«-Passage.

Fortsetzung folgt


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