Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 8 / Ansichten

Funklöcher des Westens

USA lassen »Huawei«-Managerin verhaften

Von Simon Zeise
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Porträtfoto der inhaftierten Huawei-Managerin Meng Wanzhou

Wenn die Supermacht pfeift, stehen die Vasallen stramm. Die US-Regierung hat das chinesische Elektronikunternehmen Huawei mit einem Bann belegt. Die Verbündeten Washingtons sollen dessen modernste Entwicklung in der Telekommunikation, sogenannte 5-G-Technologie, boykottieren. Der Vorwurf lautet: Spionage. Das Unternehmen arbeite zu eng mit den chinesischen Behörden zusammen.

Die treuesten Seelen des US-Imperialismus parieren. Australien stoppte den 5-G-Ausbau schon im Sommer. Neuseelands Geheimdienst befahl dem größten Kommunikationsunternehmen des Landes, »Spark«, in der vergangenen Woche, Huawei-Kabel förmlich wieder aus den Leitungen zu kratzen. Am Mittwoch folgte Großbritannien. Der Konzern British Telecommunications teilte mit, damit begonnen zu haben Huawei-Technik aus den Netzen zu entfernen. Großbritannien gehört neben Australien, Neuseeland, Kanada und den USA dem Geheimdienstbündnis »Five Eyes« an.

Auch der letzte im Bunde wollte in Sachen US-Gefolgschaft nicht zurückstehen. So nahmen die kanadischen Behörden am Sonnabend die Finanzchefin von Huawei fest. Ein Vorwand war schnell gefunden. Washington behauptet, der Konzern würde die auferlegte Blockade des Iran-Handels nicht befolgen und fordert die Auslieferung der Managerin.

Damit macht die US-Regierung deutlich, dass sie ihre Vorherrschaft verteidigen will – ökonomisch und militärisch. Niemand anderes außer den Vereinigten Staaten darf in der Lage sein, andere Staatschefs zu überwachen und Regierungen zu stürzen. Aufträge für sicherheitsrelevante Infrastruktur werden nur an »den Westen« vergeben.

Das Beispiel verdeutlicht außerdem, dass die US-Regierung alle Hebel in Bewegung setzt, damit chinesische Unternehmen in anderen Ländern keinen Fuß auf den Boden bekommen. Dabei hatte sich Beijing am Mittwoch noch bereiterklärt, alle von Washington auf dem G-20-Gipfel geforderten Handelserleichterungen umzusetzen. Man werde in großem Umfang US-Produkte aus der Landwirtschaft, dem Energiebereich und der Industrie kaufen. Das Handelsdefizit der USA ist mit einem Wert von 55,5 Milliarden US-Dollar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren geklettert.

Die deutsche Bundesregierung wird sich den Vorgaben Washingtons nicht in den Weg stellen. Bildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat bereits mitgeteilt: »5 G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig.« Funklöcher sind Berlin lieber als schlechte transatlantische Beziehungen.


Debatte

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  • Beitrag von josef w. aus d. ( 7. Dezember 2018 um 02:00 Uhr)

    Verstehe die US-amerikanische Politik, wer kann. Ich rechne nicht damit, dass China bei aller diplomatischen und taktischen Vorsicht einen Kotau vor Donald Trump macht, sondern es wird sich auf einen langanhaltenden Krieg – zur Zeit in Form eines Handelskrieges – einstellen.

    Trump hat dieses Jahr Handelskriege mit fast allen großen Volkswirtschaften der Welt geführt und sogar einen Handelskampf mit Ruanda, einem kleinen afrikanischen Land, wegen gebrauchter Kleidung vom Zaun gebrochen. Wie könnten Vietnam, Indien und andere Länder einschließlich Deutschlands und der EU ernsthaft damit rechnen, von Handelskriegen mit den USA verschont zu bleiben?

    Also wird China einerseits an einer internationalen Koalition gegen die USA-UK-Front arbeiten und andererseits seine Bemühungen um eine eigenständige hochentwickelte Technologie unter Einbeziehung aller internationalen Ressourcen vorantreiben.

    Schließlich könnten das Kidnapping von Frau Meng und andere politische Havarien der USA auch Möglichkeiten für China bieten, multinationale Investitionen für Forschungs- und Entwicklungszentren anzulocken. Wie man Niederlagen in Siege umwandelt, ist schon seit Maos Zeiten chinesisches praktisches Wissen.

    Josef W., z. Zt. Hefei, VR China

  • Beitrag von Dieter R. aus N. ( 7. Dezember 2018 um 08:50 Uhr)

    Eine Verhaftung wegen angeblicher Verstöße gegen einen durch die USA einseitig verhängten Iran-Boykott ? Das ist schon eine neue imperialistische Qualität. Sind wir demnächst von Auslieferung bedroht, wenn wir russisches Gas heizen, kommt in den Knast, wer nicht bei Apple kauft? Die Qualitätsmedien hierzulande haben dafür offenbar keinerlei Sensoren. Im Gegenteil sind die gerade devot dabei, eine Neuauflage der »gelben Gefahr« an die Wand zu malen, weil das unser Weltpräsident für seine Weltdevise »America first« so wünscht.

  • Beitrag von Peter S. aus B. ( 7. Dezember 2018 um 21:37 Uhr)

    Man kann schon ein wenig gespannt sein, wie sich Deutschland und die EU im Schlepptau in dem Handelskrieg der USA gegen den größten Wirtschaftsraum der Welt (China, Indien, Russland mit insgesamt 1/3 der Menschheit und ca. 1/3 der Weltrohstoffreserven) letztlich positionieren werden. Momentan streiten ja die beiden Fraktionen noch mehr oder weniger offen um die Vorherrschaft.

    Wenn es nach den Transatlantikern geht, muss es auf einen Krieg hinauslaufen. Natürlich würde bei einem solchen, so klein und »begrenzt« er auch sein mag, die Bundesrepublik zum Konfliktzentrum Nummer eins auf allen Listen. Nummer eins! Diesen Irrsinn muss man mal sich und der Bevölkerung auf der Zunge zergehen lassen. Aber offensichtlich wird momentan der Kochtopf so langsam erhitzt, dass die Frösche darin es einfach nicht merken.

    Hoffentlich wacht Die Linke endlich aus dem Winterschlaf auf und geht zum Ostermarsch 2019 endlich mal wieder mit allen Anhängern auf die Straße. Dieses Funkloch jedenfalls können wir noch selbst schließen. Die Zeiten sind eigentlich so ...

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