Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

USA ziehen alle Register

Washington verlangt Auslieferung von Finanzchefin des chinesischen Technologiekonzerns Huawei

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Nach dem Willen der USA soll Huawei seine Geschäfte einschränken

Mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in Kanada ist zwischen Washington und Beijing ein neuer Konflikt entbrannt. Die USA drängen auf die Auslieferung der Managerin Meng Wanzhou, wie ein Sprecher des kanadischen Justizministeriums am Mittwoch (Ortszeit) bestätigte. Für Freitag sei jedoch zunächst eine Kautionsanhörung angesetzt worden.

Die chinesische Regierung reagierte am Donnerstag mit scharfem Protest gegenüber den USA und Kanada auf die Festnahme. Beijing hatte sich erst am vergangenen Wochenende mit der US-Regierung auf weitere Verhandlungen im Handelsstreit verständigt. Man habe Washington und Ottawa dazu aufgefordert, »die festgenommene Person umgehend zu entlassen«, sagte der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang am Donnerstag in Beijing.

Laut eines Berichtes der kanadischen Zeitung The Globe and Mail vom Mittwoch, die zuerst über die bereits am vergangenen Sonnabend erfolgte Verhaftung berichtet hatte, sucht die US-Justiz die Huawei-Managerin wegen Sanktionsverstößen. Einem Insider zufolge werde Meng beschuldigt, das US-Handelsembargo gegen Iran verletzt zu haben. Details zu den Vorwürfen seien aber nicht bekannt, schrieb die Zeitung.

Meng ist auch stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns – und Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei. Die chinesische Botschaft in Kanada verlangte sowohl von Kanada als auch von den USA, ihr »Fehlverhalten sofort zu korrigieren und die persönliche Freiheit von Frau Meng Wanzhou wiederherzustellen«. Man werde »alle Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen der chinesischen Bürgerin entschlossen zu schützen«. Wegen des Vorwurfs von Sanktionsverstößen hatte Washington zuvor schon den chinesischen Netzwerk-Ausrüster ZTE bestraft, der dadurch schwere Geschäftseinbußen hinnehmen musste. Die Sanktionen gegen den chinesischen Konzern wurden im Juli aufgehoben, nachdem US-Präsident Donald Trump persönlich interveniert und das Unternehmen eine Milliardenstrafe gezahlt hatte. (dpa/jW)


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