Aus: Ausgabe vom 04.12.2018, Seite 8 / Ansichten

Völkerkundler des Tages: Markus Kerber

Von Marc Bebenroth
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Markus Kerber fragt sich: Was tun, um die Ostdeutschen »heim« zu holen? (Berlin, 6.6.2016)

Diese Ostdeutschen sind ein sonderbarer Haufen. Knapp drei Jahrzehnte nach der Annexion der Deutschen Demokratischen Republik geben sie den Herrschenden nach wie vor Rätsel auf. Sie besiedeln zwar weite Landstriche und entsenden auch mal Vertreter ins bundesdeutsche Parlament, von denen sogar ein Exemplar seit vielen Jahren Bundeskanzlerin ist. Darüber hinaus hält sich offenbar der Beitrag der Menschen in den »neuen Ländern« zum Wohle der Nation in Grenzen.

Was zu wachsender Unzufriedenheit mit dem Status quo, zu mordenden Neonazis und großem Zuspruch für die zunehmend faschistoide AfD geführt haben mag, gilt es nun herauszufinden. Gut, dass es im Bundesinnenministerium (BMI) dank Horst Seehofer (CSU) eine ganze Abteilung für Heimatfragen gibt. Dort will sich Staatssekretär Markus Kerber nun als Völkerkundler betätigen. Der Bild (Montagausgabe) sagte er: »30 Jahre nach der Wiedervereinigung müssen wir genau untersuchen«, wie es um die Ostdeutschen stehe. Die würden »ganz anders« über »Fragen der Zugehörigkeit und des Zusammenhalts denken«, sagte Kerber.

Als zeitweiliger Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) könnte der Mann zumindest eine Ahnung haben, woran es den »Ossis« mangelt – und wie deren Misere nach dem Mauerfall zustande kam. (Tip: Das westdeutsche Kapital ist daran nicht ganz unschuldig.)

Kerbers Idee von Integrationspolitik besteht vor allem darin, Menschen dem Kapital zur Verfügung zu stellen, wie aus einem Spiegel-Bericht vom 22. März über den Mann hervorgeht. Doch wohin mit all den Nicht-Fachkräften, die unverständlicherweise auch von irgendwas leben können wollen? Auf Kerber kommt offenbar ein hartes Stück Arbeit zu, will er wirklich für alle Ostdeutschen einen (Arbeits-)Platz in dieser Gesellschaft finden.


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