• Wochenendgespräch

Aus: Ausgabe vom 01.12.2018, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage

»Unwissentlich mit HIV zu leben ist die größte Gefahr«

Ein Gespräch mit Holger Wicht. Über den Welt-AIDS-Tag, die Solidarität mit HIV-positiven Menschen und neue Möglichkeiten von Selbsttests bis Prophylaxe

Interview: Markus Bernhardt
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»Der Schlüssel zum Erfolg ist, Menschen mit ihrer Lebensweise zu akzeptieren und dabei zu unterstützen, sich zu schützen. Nicht Verfolgung und Gefängnis verhindern HIV-Infektionen, sondern Kondome und saubere Spritzen«: Aktivist in Chandigarh, Indien (Mai 2018)

Traditionell findet jährlich am 1. Dezember der Welt-AIDS-Tag statt. Wofür steht dieser Tag?

Der Welt-AIDS-Tag steht für Solidarität mit HIV-positiven Menschen. Im Prinzip heißt das heute: für das Recht auf ein ganz selbstverständliches Zusammenleben in allen Lebensbereichen. Denn das ist heute möglich. Menschen mit HIV können heute alt werden und leben wie alle anderen, wenn die Diagnose rechtzeitig erfolgt und sie behandelt werden. Zugleich gibt es natürlich Menschen, die schon sehr lange HIV-positiv sind und es bereits in Zeiten waren, in denen es noch keine guten Medikamente gab. Ihnen geht es meist nicht so gut wie denen, die sich kürzlich infiziert haben, und sie verdienen weiterhin Unterstützung. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Spenden und überhaupt nicht um Mitleid. Am Welt-AIDS-Tag geht es vor allem um Akzeptanz.

Die Lebens- und Alltagssituation von HIV-infizierten Menschen hat sich mittlerweile deutlich verbessert. Eine HIV-Infektion endet nicht mehr zwangsläufig mit dem Ausbruch von AIDS. Ist dieser Tag somit überhaupt noch nötig?

Er ist nötig, solange noch Menschen keinen Zugang zur Behandlung haben oder wegen HIV benachteiligt werden. Insofern fürchte ich, dass wir den Welt-AIDS-Tag noch lange brauchen werden. Weltweit weiß ein Viertel der HIV-positiven Menschen nichts von der eigenen Infektion, und von denen, die Bescheid wissen, haben 20 Prozent keinen Zugang zur HIV-Therapie. Zum Beispiel sind Menschen ohne Aufenthaltspapiere oder Krankenversicherung von der Therapie ausgeschlossen. Hinzu kommt: HIV ist noch immer eine stigmatisierte Erkrankung. Betroffene erleben im Alltag Diskriminierung. Sie werden als Bedrohung empfunden oder abgewertet, nicht selten nach dem Motto: »Selbst schuld!« Und viele Menschen wissen noch nicht, wie sehr das Leben mit HIV sich verändert hat. Gerade mal zehn Prozent haben davon schon mal gehört, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist. Der Welt-AIDS-Tag ist auch darum weiter ein wichtiger Anlass, um aufzuklären.

Wie viele Menschen sind aktuell in der Bundesrepublik mit HIV infiziert? Welche Personenkreise sind am häufigsten betroffen?

Zur Zeit sind in Deutschland rund 86.000 Menschen HIV-positiv. Im letzten Jahr haben sich 2.700 Menschen neu infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen ist in diesem Jahr erstmals zurückgegangen, nachdem sie etwa zehn Jahre auf relativ niedrigem Niveau stabil war. Drei Viertel der Neuinfektionen betreffen nach wie vor schwule und bisexuelle Männer. Der Rest verteilt sich auf heterosexuelle Kontakte und Übertragungen durch intravenösen Drogenkonsum.

Die Gruppe derer, die nichts von ihrer Infektion wissen, umfasst noch immer mehrere tausend Menschen. Warum ist es wichtig, schnell in Erfahrung zu bringen, dass sich ein Mensch mit dem Immunschwächevirus infiziert hat?

HIV ist logischerweise nur behandelbar, wenn man von der Infektion weiß. Eine Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen, um die Gesundheit so gut wie möglich zu schützen. Erfreulicher Zusatzeffekt: HIV ist dann auch nicht mehr übertragbar. Mehr als 11.000 Menschen leben aber eben leider unwissentlich damit. Und mehr als 1.000 erkranken in Deutschland jedes Jahr an AIDS oder einem schweren Immundefekt, weil sie über Jahre nicht Bescheid wussten. Sie bekommen also eine potentiell tödliche Erkrankung, die vermeidbar wäre. Besonders wichtig ist darum die Botschaft: Wer sich infiziert haben könnte, sollte sich testen lassen. Es lohnt sich, Bescheid zu wissen. Der HIV-Test sorgt entweder für Erleichterung, oder er ermöglicht die Therapie.

Mittlerweile sind HIV-Tests frei verkäuflich. Könnte das Menschen, die sich aus Scham oder anderen Gründen bisher nicht bei einem Arzt oder einer anderen Stelle haben testen lassen, dazu bewegen, sich nun selbst zu testen?

Das ist die Hoffnung: Ein weiteres Angebot, das Menschen einen Test ermöglicht, die sonst keinen gemacht hätten. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass das funktioniert. Der Selbsttest senkt die Hemmschwelle, weil man sich niemandem anvertrauen muss. Er führt aber zum Beispiel auch dazu, dass schwule Männer sich häufiger testen. Menschen mit einem erhöhten Risiko empfehlen wir einen jährlichen Routinecheck. Der Selbsttest kann das befördern, weil er die Sache leichter und unkomplizierter macht. Unser Pilotprojekt »S. A. M. – Mein Heimtest« erprobt in Bayern sogar gerade Tests auf HIV und Geschlechtskrankheiten im Abo.

Aber birgt so ein Heimtest nicht auch Gefahren? Beispielsweise die, dass es zu Kurzschlusshandlungen kommt, sollte ein Test mal positiv ausfallen?

Wir haben das auch lange befürchtet. Und natürlich ist ein positiver HIV-Test nach wie vor für die meisten Menschen eine einschneidende Erfahrung. Nach Studien und Erfahrungen in anderen Ländern bleiben solche gefährlichen Dramen aber aus. Die Menschen begeben sich in Behandlung und Beratung, wenn der Selbsttest eine HIV-Infektion anzeigt. Und das ist eine richtig gute Nachricht. Die größte Gefahr ist ja, dass Menschen lange unwissentlich mit HIV leben. Und das ist kein befürchtetes Szenario wie die Kurzschlusshandlungen, die Sie ansprechen, sondern es passiert bereits ständig. Im übrigen ist leider auch nicht jede Ergebnismitteilung in der Arztpraxis ermutigend. Beim Selbsttest überwiegen daher ganz klar die Vorteile. Anonyme Beratung bieten wir übrigens auch online an. Niemand muss mit dem Test und dem Ergebnis alleine bleiben. Und nicht wenige kommen über den Test erstmals mit unseren Angeboten in Berührung.

Zu einem anderen Thema: Die medizinische Versorgung von HIV-Infizierten hat sich deutlich verbessert. HIV endet im Vergleich zu den 1980er Jahren nicht mehr tödlich. Die AIDS-Hilfe hat die Parole ausgegeben, dass ab 2020 in der Bundesrepublik niemand mehr an AIDS erkranken sollte. Ist das nicht ein frommer Wunsch?

Visionen setzen Kräfte frei. Wenn alle Verantwortlichen ihre Anstrengungen verstärken, können wir tatsächlich dafür sorgen, dass AIDS Geschichte wird. Nicht HIV, also die Infektion – das wird länger dauern. Aber wir haben in Deutschland doch bereits alles, was wir brauchen, um AIDS-Erkrankungen zu verhindern: Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit vielfältigen Testangeboten, HIV-Medikamente, gut etablierte Angebote für Aufklärung, Erfahrungen aus jahrzehntelanger erfolgreicher HIV- und AIDS-Prävention. Es gibt aber Versorgungslücken und Menschen, die durchs Raster fallen und eben nicht rechtzeitig von ihrer Infektion erfahren. Ein Beispiel: Ärztinnen und Ärzte bieten häufig keinen HIV-Test an, selbst wenn Symptome auf eine Infektion hinweisen. Sie haben HIV nicht auf dem Schirm, weil es in ihrer Praxis selten vorkommt oder weil ihr Gegenüber keiner klassischen Betroffenengruppe angehört. Oder sie scheuen das Gespräch über das pikante Thema Sexualität. Im Rahmen unserer Kampagne »Kein AIDS für alle – bis 2020!« unterstützen wir sie dabei, im richtigen Moment an HIV zu denken.

HIV-Infizierte können das Virus unter Umständen nicht einmal mehr weitergeben. Wie genau funktioniert das?

Die Medikamente einer HIV-Therapie verhindern die Vermehrung von HIV im Körper – bis das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Dann ist auch eine Übertragung beim Sex nicht mehr möglich. Bei den meisten HIV-positiven Menschen ist das heute der Fall. Dieses Wissen ist sehr entlastend für sie sowie ihre Partner und Partnerinnen. Zugleich nimmt es Ängste vor Menschen mit HIV im Alltag: Wenn selbst beim Sex keine Übertragung möglich ist, erscheint die Vorstellung einer Ansteckung über ein gemeinsam genutztes Trinkglas, ein Fitnessgerät oder eine Toilette einfach nur als das, was sie schon immer war: abwegig. Und wenn Menschen mit HIV nicht mehr als Gefahr wahrgenommen werden, wird es auch weniger Zurückweisung geben. Auf diese Weise wirken HIV-Medikamente auch gegen Diskriminierung. Leider wissen nur zehn Prozent der Bevölkerung von diesem entlastenden Effekt der Therapie. Wir haben darum gerade die Kampagne »#wissenverdoppeln« gestartet. Wir machen das, bis alle Bescheid wissen.

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Können Sie die Wirkung der Präexpositionsprophylaxe, PrEP, genauer erläutern?

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, das dann eine HIV-Infektion zuverlässig verhindert. Das Prinzip ist das gleiche: Die enthaltenen Wirkstoffe blockieren die Virusvermehrung im Körper, wenn man mit HIV in Kontakt kommt. Diese Prophylaxe ist eine gute Schutzmöglichkeit für Menschen mit höherem HIV-Risiko, für die durchgängiger Kondomgebrauch nicht praktikabel ist – aus was für Gründen auch immer. Sie kann nach einer Studie bis zum Jahr 2030 in Deutschland bis zu 9.000 HIV-Infektionen verhindern. Das spart übrigens auch Behandlungskosten. Die PrEP soll nach dem neuen Termin- und Versorgungsgesetz ab dem nächsten Jahr Kassenleistung werden. Wir hoffen sehr, dass der Gesetzentwurf so umgesetzt wird.

Und Nebenwirkungen haben diese Pillen nicht, die ja auch als Konjunkturprogramm für die Pharmaindustrie betrachtet werden könnten?

Das Medikament hat bei den meisten Menschen kaum Nebenwirkungen. Es ist aber wichtig, die Nierenwerte im Blick zu haben. Auch ein regelmäßiger HIV-Test gehört zu den begleitenden Untersuchungen, vor allem am Anfang, denn wenn HIV-positive Menschen die PrEP nehmen, können sich Resistenzen gegen das Präparat bilden. Natürlich handelt es sich bei der PrEP nicht um Smarties, auch preislich nicht. Aber sie verhindert HIV-Infektionen und ist mittlerweile für 40 Euro im Monat verfügbar. Die Pharmaindustrie verdient mit anderen Präparaten sehr viel mehr Geld.

Nun steigen in Metropolen wie Berlin, Hamburg und Köln die Infektionen mit Syphilis, Hepatitis und anderen Geschlechtskrankheiten überdurchschnittlich an. Meinen Sie nicht, dass das etwas mit dem abnehmenden Kondomgebrauch, der mit der Einführung der PrEP einhergeht, zu tun hat?

Diese Zahlen stiegen schon vor der Einführung der PrEP. Und der Anstieg der Syphilis-Diagnosen hat auch damit zu tun, dass sich mehr Menschen testen lassen. Auch die PrEP sorgt übrigens dafür, dass Menschen sich häufiger durchchecken lassen, denn das gehört zum Programm. Es stimmt aber: Wenn auf Kondome verzichtet wird, steigt das Risiko anderer sexuell übertragbarer Infektionen. Vor allem manche schwule Männer schützen sich beziehungsweise ihre Partner verstärkt durch die HIV-Medikamente, sowohl als HIV-Positiver als auch als HIV-Negativer. Wer sich dafür entscheidet, sollte sich regelmäßig auf andere Infektionen untersuchen lassen. Am wichtigsten ist bei all dem, HIV-Infektionen zu verhindern. Denn HIV ist im Gegensatz zu den genannten Geschlechtskrankheiten nach wie vor nicht heilbar.

Nun ist es ja nur zu begrüßen, dass die Bundesrepublik im Kampf gegen HIV und AIDS halbwegs gut aufgestellt ist. Anders sieht es jedoch in Osteuropa, Asien und Afrika aus. Was ist dort zu beobachten?

Zwei gegenläufige Entwicklungen: Einerseits hat die Welt enorme Fortschritte gemacht, ganz besonders im südlichen Afrika: Immer mehr Menschen wissen von ihrer Infektion und erhalten Medikamente. Die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle ist massiv zurückgegangen, wenn auch noch immer viel zu hoch. Gleichzeitig steigt die Zahl der Infektionen in anderen Ländern wieder, vor allem in Osteuropa. In Russland ist sie förmlich explodiert. Dort gibt es keine wirksame HIV-Prävention, unter anderem weil man ganz auf die heterosexuelle, treue Paarbeziehung setzt. Schwule Männer werden diskriminiert, Drogen konsumierende Menschen werden als krimineller Abschaum behandelt. Der Schlüssel zum Erfolg ist aber, Menschen mit ihrer Lebensweise zu akzeptieren und dabei zu unterstützen, sich zu schützen. Zugespitzt formuliert: Nicht Verfolgung und Gefängnis verhindern HIV-Infektionen, sondern Kondome und saubere Spritzen. Russland und andere Länder bekommen die Quittung für Ausgrenzung in Form von steigenden Infektionszahlen. Zugleich sind die Behandlungsprogramme noch völlig unzureichend, nur ein gutes Drittel der Infizierten hat Zugang zur Therapie. Weltweit bleibt das mit HIV verbundene Stigma das größte Hindernis.

Was erwarten Sie diesbezüglich von der deutschen Bundesregierung?

Ganz besonders wichtig ist zur Zeit, dass wir unsere Erfahrungen noch stärker im östlichen Europa verfügbar machen, zum Beispiel durch Kooperationsprojekte. Vor allem die zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen Unterstützung, denn sie werden an ihrer Arbeit gehindert – von Förderung, wie sie hierzulande zum Erfolgsrezept gehört, ganz zu schweigen. Es gibt in Osteuropa auch Länder, die offen dafür sind, die betroffenen Menschen als Partner auf Augenhöhe einzubeziehen. Diese Kräfte gilt es zu unterstützen, damit sie in der Region gute Beispiele dafür geben können, wie HIV-Prävention funktioniert. Ein weiterer wichtiger Punkt: Deutschland wird seiner Verantwortung für die internationalen Maßnahmen gegen HIV noch nicht gerecht. Die deutschen Beiträge zum globalen Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria müssten verdoppelt werden auf mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr. Auch unser Beitrag zu UNAIDS, dem chronisch unterfinanzierten Programm der Vereinten Nationen, müsste deutlich steigen.

Die Deutsche AIDS-Hilfe wird nicht selten als Organisation wahrgenommen, die sich vor allem um schwule und bisexuelle Männer kümmert. Tatsächlich arbeiten Sie unter anderem auch im Bereich Strafrecht, Migration und Prostitution. Was sind die dringendsten Aufgaben in diesen Bereichen?

Ganz allgemein ist die wichtigste Aufgabe weiterhin, die Diskriminierung von Menschen mit HIV und der genannten Gruppen abzubauen. Sie brauchen Unterstützung und maßgeschneiderte Angebote der HIV-Prävention, für den Test und natürlich eine diskriminierungsfreie und kultursensible Gesundheitsversorgung. In der Prävention für schwule und bisexuelle Männer geht es vor allem darum, dass jeder die für ihn passende Schutzmethode kennt und anwenden kann – je nach Persönlichkeit und Situation. Kondome, Schutz durch Therapie und die PrEP fassen wir unter der Überschrift Safer Sex 3.0 zusammen. In der Arbeit mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern haben wir viel mit den schädlichen Auswirkungen des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes zu tun: Meldepflicht, Zwangsberatung und Kondomzwang richten viel Schaden an und sorgen für Unsicherheit. Unter anderem arbeiten wieder mehr Frauen im Verborgenen. Stichwort Strafrecht: Wir setzen uns dafür ein, dass die HIV-Übertragung beziehungsweise ungeschützter Sex nicht weiter als Körperverletzung geahndet werden, denn diese Praxis verortet die Verantwortung einseitig bei HIV-Positiven und widerspricht der Botschaft, dass jeder selbst Verantwortung übernehmen muss. Bei den Migrantinnen und Migranten ist es die Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere oder Krankenversicherung, wo am meisten Handlungsbedarf besteht.

Sie sind von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Was wäre hier zu tun, um zumindest eine Grundversorgung zu ermöglichen?

Wir brauchen endlich ein Modell, das eine vollwertige Versorgung ermöglicht, zum Beispiel den anonymen Krankenschein. Man muss sich das vorstellen: HIV-positive Menschen trauen sich aus Angst vor Abschiebung nicht, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das endet manchmal tödlich. Die Clearing-Stellen, die jetzt in einigen Großstädten Menschen in eine Versorgung integrieren sollen, sind ein wichtiger erster Schritt, aber sie lösen das Problem nicht. Schwerkranke Menschen werden abgewiesen. Das ist ein Skandal.

Rechte und auch offen neofaschistische Gruppierungen erstarken europaweit. AfD-Gliederungen und Splitterparteien haben in einigen Kommunen abzufragen versucht, wie viele HIV-Positive in den jeweiligen Städten leben. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit?

Wir machen uns große Sorgen, weil Diskriminierung und Abwertung von Menschen wieder salonfähig gemacht werden. Die Grenzen des Sagbaren verschieben sich. Rassistische, homophobe und frauenfeindliche, selbst völkische Äußerungen sind mittlerweile an der Tagesordnung. Alle unsere Zielgruppen und die Grundlagen unserer Arbeit sind damit in Gefahr. Zum Glück sehen wir aber auch, dass eine Mehrheit der Gesellschaft sich sehr engagiert gegen diese Entwicklung wendet. Wenn am Schluss ein klares Bekenntnis der großen Mehrheit zu Solidarität, Freiheit und Vielfalt steht, dann ist das auch ein Gewinn!

Holger Wicht ist Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH)

(www.aidshilfe.de)


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