Aus: Ausgabe vom 29.11.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Bayer hat sich verzockt

Monsanto-Kauf erweist sich als Problemfall. Medienbericht zu Umstrukturierung und Jobabbau

Von Dieter Schubert
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Kläger gegen Glyphosatproduzent Monsanto: US-Gericht sprach krebskranken Dewayne Johnson Entschädigung zu

Das hatten sich die Topmanager der Bayer AG anders vorgestellt: Mit der Übernahme des US-Gentechnik- und Saatgutmultis Monsanto in diesem Jahr sollte eine goldene Ära für den Leverkusener Pharma- und Agrochemieriesen anbrechen. Doch der Deal entpuppte sich bisher eher als veritable Fehlinvestition. Seit ein US-Gericht Entschädigungsforderungen eines Mannes, der seine Krebserkrankung auf den Umgang mit dem Pflanzengift Glyphosat zurückführt, stattgegeben hat, sind die Anleger auf der Flucht und der Aktienkurs sinkt. Das wollen die Manager jetzt offenbar mit einer Umstrukturierung inklusive des anscheinend obligatorischen »Sparprogramms« und mit Arbeitsplatzvernichtung kontern, wie das Handelsblatt am Mittwoch unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete.

Betroffen davon seien alle drei großen Unternehmensbereiche, in besonderem Maße aber das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health). Die Aspirin-Sparte war in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls durch Zukäufe aufgebläht worden, was allerdings für Aktionäre und Kapitalfunktionäre wenig profitabel war.

Auch in der Pharmaforschung und im Agrargeschäft sollen Arbeitsplätze vernichtet werden. Betriebsbedingte Kündigungen werde es zumindest in Deutschland aber nicht geben, weil ein Vertrag zur Standortsicherung gelte, so das Handelsblatt. Den hatten Gewerkschaft und Belegschaftsvertretung der Konzernspitze im Vorfeld des Monsanto-­Deals abgerungen, er gilt bis Ende 2020. Das gelte aber nicht für die Consumer-Health-Sparte, die ihren Sitz in Basel hat. Unklar sei, wie viele Stellen wegfallen werden. Bayer wollte sich dazu nicht äußern.

Allerdings gibt es vor allem wegen des wegbrechenden Börsenwertes dringenden Handlungsbedarf für den Vorstand. Nicht zuletzt besteht immer »Heuschreckengefahr«, denn Hedgefonds und andere Spekulanten suchen sich gerne angeschlagene Unternehmen, kaufen sich dort ein und zerlegen sie nach Gusto – wie man es aktuell bei Thyssen-Krupp besichtigen kann. Und was macht da der moderne Topmanager? Eine Investorenkonferenz. In London. Am 5. Dezember will der Vorstand dort den versammelten Multiplikatoren erklären, wie toll die Zukunft sein wird. Spekulanten scheint ein Besuch in Leverkusen wohl nicht zumutbar zu sein.

Geraunt wird – wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch schrieb – über den Verkauf von einigen Marken in einzelnen Ländern, in denen die Geschäfte zu geringfügig seien. Aber auch die Pharmasparte stehe vor Veränderungen, wie das Handelsblatt schrieb. Der Bayer-Betriebsrat hatte bereits im Oktober Sorgen hinsichtlich der Beschäftigungssituation bei dem Unternehmen geäußert. Der Vorstand müsse klarstellen, welche Folgen die mit der Übernahme von Monsanto angekündigten »Einsparungen« für die Beschäftigten hätten.


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