Aus: Ausgabe vom 17.11.2018, Seite 11 / Feuilleton

Die leise Gefährlichkeit. Zum Tod Rolf Hoppes

Von F.-B. Habel
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Am Nikolaustag 1930 wurde Rolf Hoppe im Harz geboren und wuchs dort auf, aber seit 1961 waren Dresden und im besonderen das dortige Staatstheater seine (künstlerische) Heimat – auch wenn er in Berlin oder Salzburg gastierte. Hoppe spielte viele Jahre lang bei Film und Fernsehen eher kleine Rollen, aber mit einer Ausstrahlung, die den Zuschauer in den Bann zog. Bei den Bösewichtern, die er darstellte, suchte er die verborgene Seiten. Mit den Fieslingen, die er in den Indianerfilmen der DEFA verkörperte, wurde er berühmt und berüchtigt. Keiner war von so abgefeimter Brutalität, so feister, aber leiser Gefährlichkeit. Seine Töchter wurden in der Schule zeitweise gemobbt, weil er 1969 in »Weiße Wölfe« angeblich Gojko Mitic (in der Rolle des Weitspähenden Falken) erschossen hatte. Das stimmte gar nicht!

Im gesamten Osten war Hoppe durch diese Filme bekannt. Bei Dreharbeiten in Samarkand in Usbekistan spielten ihm Kinder auf der Straße unaufgefordert ganz stolz eine Szene aus »Spur des Falken« vor. »Was ist das für eine Ausstrahlung!« fragte er sich. »Da spielt man den Bösen, und die Kinder mögen einen!« Kinderfilme lagen ihm besonders am Herzen, etwa »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« (1973) oder »Hans Röckle und der Teufel« (1974).

Die ganze Welt lernte Hoppe 1981 kennen, als er in der internationalen Produktion »Mephisto« die an Hermann Göring angelehnte Figur des Generals spielte. Regisseur Istvan Szábo hatte Hoppe in einer kleinen Rolle in einem Babelsberger Studentenfilm gesehen und wusste: Das ist mein General! Die Klaus-Mann-­Adaption wurde ebenso mit einem Oscar ausgezeichnet wie 1992 Helmut Dietls Film »Schtonk!«, in dem Hoppe einen Altnazi darstellte. Inzwischen war der vielseitige Mime schon in aller Welt gefragt, spielte in Schweizer, chinesischen und bundesdeutschen Produktionen, die zum Teil bei der DEFA entstanden. Einen besonders faszinierenden Charakter schuf er 1983 als Vater Wieck in Peter Schamonis Schumann-Biographie »Frühlingssinfonie« im Zusammenspiel mit Nastassja Kinski und Herbert Grönemeyer.

Rolf Hoppe, ein König der Bühne und der Leinwand, war besonders eindrucksvoll, wenn er Potentaten in all ihrer Widersprüchlichkeit darstellte. Erstmals gab Konrad Wolf Hoppe 1970 eine solche Aufgabe mit dem spanischen König Karl IV. in »Goya«. Bemerkenswert war auch seine Gestaltung des schwachen Sohns August des Starken in dem Fernsehmehrteiler »Sachsens Glanz und Preußens Gloria« (1984/85).

Nach einem erfüllten Künstlerleben starb Rolf Hoppe am Mittwoch in Dresden kurz vor seinem 88. Geburtstag.


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  • E. Rasmus: Erinnerung an Horst Schulze Nichts gegen einen Nachruf für den großartigen Schauspieler Rolf Hoppe, aber unverzeihlich finde ich, dass die linke Tageszeitung junge Welt es bislang leider nicht für wert befunden hat, auch nur ein...
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