Aus: Ausgabe vom 15.11.2018, Seite 15 / Medien

Karstadt-Eigner wird Verleger

Funke-Mediengruppe veräußert Teile des Österreich-Geschäfts an Firma von René Benko

Von Dieter Schubert
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Immer gute Beziehungen zu den Medien: René Benko (r.) mit dem Chef des Süddeutschen Verlages Stefan Hilscher im Januar 2017 in Berlin

Wer kauft schon heutzutage noch Zeitungen? Wie es aussieht vor allem Multimilliardäre. So hat die Funke-Mediengruppe (WAZ, Der Westen etc.) jüngst 49 Prozent ihres Österreich-Geschäfts an die Signa Holding veräußert, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Signa ist die Fassade, hinter der der Immobilenmogul und Karstadt-Besitzer René Benko (41) steckt. Diese übernimmt die Anteile von der WAZ Ausland Holding, die wiederum an den in Wien erscheinenden Blättern Kronen-Zeitung und Kurier beteiligt ist.

Funke – anscheinend froh darüber – sieht in Signa dann auch »einen starken Partner« für die verlegerischen Aktivitäten in Österreich. Die Holding investiert mit der Partnerschaft erstmals neben Immobilien und Handel auch in das Mediengeschäft. Bekannt ist Signa, oder besser gesagt deren Kopf Benko, insbesondere durch die vor fünf Jahren übernommene Kaufhauskette Karstadt, die derzeit mit Kaufhof fusioniert. Damals kam der aufstrebende Jungoligarch praktisch wie Kasper aus der Kiste und wurde von vielen als »Retter« gepriesen. Kritiker hatten indes stets betont, es sei Benko/Signa hauptsächlich um die vielen schönen Häuser gegangen, in denen Karstadt immer größere Schwierigkeiten hatte, Waren an Käufer zu bringen.

Funke ist seit 1987 im österreichischen Medienmarkt aktiv, wie das in Hamburg erscheinende Onlineportal Meedia am Dienstag berichtete. Über die WAZ Ausland Holding GmbH hält demnach die Mediengruppe 50 Prozent an der Kronen-Zeitung, einem Boulevardblatt nach dem Muster von Bild, der trotz erheblichem Auflagenschwund immer noch größten deutschen Tageszeitung. Am Kurier ist die Funke-Tochter mit knapp der Hälfte beteiligt. Die übrigen Anteile an der Krone gehören der Verlegerfamilie Dichand. Mitgesellschafter beim Kurier ist die österreichische Raiffeisen-Gruppe.

Signa wird Meedia zufolge nun einen Anteil von 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding GmbH übernehmen. Damit würde Benkos Firma 24,22 Prozent am Kurier und 24,5 Prozent an der Kronen-Zeitung besitzen – vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen der Vereinbarung zu. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.

Meedia zitierte Michael Wüller, Geschäftsführer von Funke: »Mit neuer Kraft und Dynamik werden wir die starken Marken gemeinsam in die Zukunft führen, vor allem auch durch eine konsequente Digitalisierung.« Von »starken Marken« zu sprechen gehört seit geraumer Zeit zum Standardrepertoir von Medienvermarktern. Denen macht nicht nur der allgemein zu beobachtende Auflagenschwund zu schaffen, sondern auch das immer schwächer werdende Werbegeschäft.


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