Aus: Ausgabe vom 12.11.2018, Seite 1 / Inland

Blackout für 344.000 Haushalte

2017 wurden in Deutschland 14.000 Stromsperren mehr exekutiert als im Jahr zuvor

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Kerzen bringen Licht, sind aber sind keine Alternative für Betrieb von Kühlschrank, TV-Gerät oder Herd

Elektroenergie ist im Laufe der vergangenen Jahre erheblich teurer geworden. Längst nicht mehr alle Menschen in der Bundesrepublik Deutschland können sie sich problemlos leisten. Wegen unbezahlter Rechnungen ist im vergangenen Jahr fast 344.000 Haushalten hierzulande der Strom abgestellt worden. Das waren etwa 14.000 Stromsperren mehr als 2016, wie aus dem Entwurf des neuen Monitoringberichts der Bundesnetzagentur zum Strommarkt hervorgeht. Die meisten Sperren gab es mit rund 98.000 in Nordrhein-Westfalen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa, der ein Berichtsentwurf vorliege am Sonntag.

Eine Sperrung der laufenden Versorgung mit Elektroenergie angedroht haben die einschlägigen Unternehmen – euphemistisch »Versorger« genannt – im vergangenen Jahr gut 4,8 Millionen säumigen Zahlern. Mehr als sieben Prozent von den zuvor gemahnten Abnehmern wurde der Strom dann tatsächlich abgestellt. »Es besteht die Vermutung, dass eine Sperrandrohung in vielen Fällen zu einer Zahlung führt«, heißt es in dem Bericht – eine sachliche, aber auch kaltschnäuzige Feststellung. Außerdem wird laut dpa in dem Entwurf auf den hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verwiesen, wenn eine Sperre vor Gericht durchgesetzt werden muss.

Wie schwer die Situation für die betroffenen Abnehmer ist, blieb indes unerwähnt. Kein Geld, kein Strom, so einfach ist das. Allerdings gibt es Eskalationsstufen: Den Blackout für den betroffenen Haushalt darf der »Versorger« erst herbeiführen, wenn dessen »Kunde« mit mindestens 100 Euro in Zahlungsverzug ist und nachdem er eine Mahnung mit der Androhung einer Sperrung erhalten hat. Bevor der Strom tatsächlich abgestellt wird, muss das entsprechende Versorgungsunternehmen dem Verbraucher eine entsprechende Ankündigung zustellen und ihm eine letzte Gelegenheit zur Zahlung geben. Sowohl die Mahnung als auch die Sperrung und die Entsperrung eines Stromanschlusses kosten den Betroffenen zusätzliche Gebühren. (dpa/jW)


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